27. Januar 2009

Omnia instaurare in Christo Die Exkommunikation der Tradition ist beendet

Persönlicher Einwurf eines Freundes der Priesterbruderschaft St. Pius X

„Wir sind immer festen Willens entschlossen, katholisch zu bleiben und alle unsere Kräfte in den Dienst der Kirche unseres Herrn Jesus Christus einzusetzen, welche die römisch-katholische Kirche ist. Wir akzeptieren ihre Lehren mit kindlichem Herzen. Wir glauben fest an den Primat des Petrus und an seine Ansprüche, und darum lässt uns die gegenwärtige Lage sehr leiden.“

Mit diesen Worten versuchte Monsignore Bernard Fellay, Bischof und Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X, zum wiederholten Male den Vatikan dazu zu bewegen, seine eigene Exkommunikation wie die seiner bischöflichen Mitbrüder Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Galarreta aufzuheben.

Die Priesterbruderschaft rief anlässlich der geplanten Wallfahrt zum Christkönigfest nach Lourdes 2008 sogar einen eigenen Rosenkranzkreuzzug aus, in welchem die Gläubigen aufgerufen wurden, die heilige Gottesmutter darum zu bitten, die Kräfte im Vatikan umzustimmen, und die Rechtmäßigkeit der ausgesprochenen Bischofsweihen zu bestätigen. Über 1.700.000 gesprochene Rosenkränze zeigten nun ihre Wirkung: Durch das Dekret der Kongregation der Bischöfe vom 21. Januar 2009, namentlich durch deren Präfekten Kardinal Giovanni Battista Re, wurde die Exkommunikation nun aufgehoben. Vorangegangen waren dieser Entscheidung die jahrelangen Verhandlungen der Bruderschaftsoberen mit der päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, welche unter anderem die Aufgabe hat, die kirchliche Gemeinschaft mit allen Anhängern der Bruderschaft im Schoße Petri (wieder-)herzustellen.

Es ist dies, nach der vollständigen Freigabe der 20 Jahrhunderte lang gültigen lateinischen Messe zu Mitte 2007, ein weiteres Zeichen für den immer traditionsbewussteren Kurs von Papst Benedikt XVI. Gleichzeitig bekannte aber auch die Bruderschaft abermals ihre entschlossene Treue zu Papst und Kirche, welche sich am besten mit den Worten Bischof Fellays ausdrücken lässt: „…in dem ich unsere Verbundenheit mit der Kirche Jesu Christi, die die Katholische Kirche ist, zum Ausdruck gebracht und ebenso aufs neue betont habe, dass wir die zweitausendjährigen Lehren annehmen und fest an den Primat Petri glauben.“

Des Weiteren wurde die Notwendigkeit weiterer Gespräche zwischen dem Vatikan und den Kräften der Tradition festgestellt. Dieses wurde von beiden Seiten ausdrücklich gewünscht, sollen die Gründe für die derzeitige Glaubenskrise beleuchten und schlussendlich zur Widerherstellung der vollen Gemeinschaft der ganzen Bruderschaft mit der katholischen Kirche führen.  

Die Priesterbruderschaft St. Pius X ist eine – in modernistischen kirchlichen Kreisen umstrittene – traditionalistische Vereinigung gemeinschaftlich lebender Priester der katholischen Kirche. Gegründet wurde sie von Erzbischof Marcel Lefebvre im Jahre 1970, hauptsächlich als Reaktion auf die Veränderungen durch das Zweite Vatikanische Konzil, welche die Kirche in eine wohl noch nie gekannte Krise gestürzt haben. Eine Krise die sich besonders durch den Mangel an priesterlichen Berufungen, den Exzessen in der liturgischen Praxis, den mangelhaften Katechismuskenntnissen und dem sinkenden Empfang der Sakramente ausdrückt, und die noch lange nicht  überwunden scheint.

Der Bruderschaft gehören heute etwa 470 Padres und 190 Mönche und Nonnen an. Sie ist weltweit tätig und verfügt momentan über 175 Priorate und 75 Schulen, 42 Priorate davon in Deutschland. Die durch Erzbischof Lefebvre selbst geweihten Bischöfe waren bis vor kurzem im Zustand der Exkommunikation, die einfachen Priester sind es allerdings nicht.

Seit 2002 gibt es in der Ukraine auch die Parallel-Priesterbruderschaft St. Josaphat, welche sich „die Bekehrung des schismatischen Ostens“ zum Ziel gesetzt hat. Außerdem werden einige Priesterseminare zur Ausbildung von priesterlichem Nachwuchs geführt.

Paul VI.: „Der Rauch Satans ist in die Kirche eingedrungen“

Das durch Johannes XXIII. 1962 einberufene und von Paul VI (welcher später viele Ergebnisse des Konzils bereute) 1965 beendete Zweite Vatikanische Konzil wird von der Priesterbruderschaft als ein Akt der Unterwerfung unter modernistisches, gnostisches und relativistisches Gedankengut verstanden.

Bald nach der Umsetzung der verschiedenen Konzilsbeschlüsse begann Erzbischof Lefebvre seine kirchlichen Ämter Schritt für Schritt aufzugeben und sein Leben ausschließlich dem Erhalt der vorkonziliaren, theologischen und liturgischen Schätze der Kirche zu widmen. Dies führte 1970 zur Zusammenarbeit  mit konservativen Seminaristen eines französischen Priesterseminars und schlussendlich zur Gründung der Bruderschaft. Hauptaufgabe sollte die Erneuerung des Priestertums sein, man befand sich noch unter voller Akzeptanz der Kirche.

Als man aber begann, zentrale Änderungen von Vaticanum II öffentlich zu kritisieren und nicht umzusetzen, begann sich das Blatt zu wenden. Unter anderem wurde und wird der durch das Konzil neu definierte Ökumenismus verurteilt. Dieser besagt, dass alle Konfessionen und Religionen „Wege des Heils“ darstellen können und die alte, von Pius XII. gemachte Einschränkung, das selbiges nur für den gelte, der implizit einen Wunsch nach Zugehörigkeit zur Kirche habe, nicht mehr gelte. Darauf antwortet die Bruderschaft mit dem „Extra ecclesiam nulla salus“ (außerhalb der Kirche gibt es kein Heil) und drückt damit aus, dass der außerkirchliche Empfang der Gnade – gemäß der ewigen Lehre der Kirche – eben nur eine strenge Ausnahme sein und die Möglichkeit seiner Erlangung nicht weiter relativiert werden kann.

Ebenso verurteilt man die Religionsfreiheit beziehungsweise religiöse Neutralität und fordert dagegen, dass allein die katholische Religion alle Rechte genießen dürfe und andere Religion lediglich geduldet werden sollen. Diese Pflicht hätten sowohl der einzelne Mensch wie der Staat. Damit sind vor allem die private Ausgrenzung und die Nicht-Unterstützung seitens des Staates gemeint.

Die vollständige Hinwendung zur Welt, das „Aggiornamento“, versteht man als Anbiederung und falsche, weil übertriebene Wertschätzung der modernen Forschung, der modernen Rationalität. Neben der Geringschätzung der lateinischen Sprache durch die „moderne“ Kirche als verbindendes, für alle Völker zugängliches „Wort Gottes“, sieht man besonders die Akzeptanz der „neuen Weltordnung“ und des Egalitarismus als schädlich für das Gedeihen der christlichen Gesellschaften. Die Forderung an die Kirche, sie solle nicht mehr verurteilen und verdammen, nicht mehr gut von böse, wahr von falsch trennen, wird als schwerer Irrtum bezeichnet. Bewusst macht man auch auf den freimaurerischen Einfluss dieser Erklärungen des Konzils aufmerksam.

Ebenfalls lehnt man auch den liturgischen Umbruch, das rücksichtslose Verändern einer über die Jahrhunderte gewachsenen „Sprache“ der katholischen Messe, ab. Man betrachtet sie als die Häresie begünstigend und ungültig. Sie habe ihren übernatürlichen Charakter verloren, sei sakrilegisch und ihre Sakramente praktisch ungültig. Man feiert daher ausschließlich die traditionelle, lateinische „Messe aller Zeiten“ nach tridentinischem Ritus, in welchem nach Verständnis der vorkonziliaren Lehre alles auf Gott ausgerichtet ist und der Mensch eine dienende und demütige Funktion habe. Ernsthaft und großartig solle der Dienst an Gott sein, mit der vollen Hinwendung hin zum Opfer Jesu und dem Priester als Mittler und weniger als Darsteller. Die Aufgaben des Priesters sind durch die Bruderschaft sehr klar definiert. Somit sind gewisse kirchenpolitische Absurditäten wie die zahlreichen Räte, die Mitbestimmungsrechte für Laien, in der Piusbruderschaft von vorneherein ausgeschlossen. Die regelmäßige und rechtgültige Spendung der Sakramente (inklusive der Beichte) sind ebenso wie zum Beispiel die angemessene Kleidung des Klerus in der Öffentlichkeit kein Thema für Diskussionen.

Das Eintreten des katholischen Priesters für eine freiheitliche, katholische und in natürlicher Weise hierarchisch gegliederten Gesellschaft ist dabei eine vollkommen selbstverständliche Überzeugung. Die daraus erwachsende Beurteilung der derzeitigen Gesellschaft und ihres Staates sollte in einem folgenden gesonderten Beitrag dargestellt werden.

Folge dieses klaren Widerstandes war dann zuerst die Aufhebung der Bruderschaft durch einen Bischof (welches nach kirchlichem Recht aber eigentlich nur durch den heiligen Stuhl direkt geschehen kann). Nachdem Erzbischof Lefebvre diese Entscheidung nicht akzeptierte und trotzt Verbot begann, Pius-Seminaristen zu Priestern zu weihen, verschärfte sich der Konflikt. Zum endgültigen Bruch kam es dann, nachdem Lefebvre ohne päpstlichen Auftrag begann, vier seiner Priester zu Bischöfen zu weihen. Er wurde am 1. Januar 1988 offiziell exkommuniziert, und im Anschluss auch die von ihm geweihten Bischöfe.

Daher stellt die Rücknahme der Exkommunikation für alle Anhänger der allzeit gültigen Lehre der heiligen, apostolischen und katholischen Kirche zweifellos einen Meilenstein in der Überwindung der Krise unserer Zeit dar. Ein großer Freudentag ist uns beschert.

Internet

Priesterbruderschaft St. Pius X in Deutschland


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