21. Februar 2009

Marktkommentar Tausche Euro gegen Gold

Über die Flucht aufgrund des Osteuropa-Debakels

In meinem letzten Marktkommentar wurde bereits angesprochen, dass Gold und Silber jetzt fast täglich neue Allzeithochs in vielen Währungen erreichen. In Euro ist das besonders stark zu sehen. Schrieb ich vor zwei Wochen von einem Allzeithoch von 744 Euro pro Unze, so ist dieses inzwischen am 18. Februar auf 775 Euro angestiegen. Zu einer Zeit, wo die Aktienindizes wie Dow Jones, DAX und besonders der ATX kontinuierlich fallen.

Im Moment ist es „in Mode“, Banken und Staaten, die stark in Osteuropa tätig sind, besonders heftig abzustrafen. Man hat in der Zwischenzeit erkannt, dass die Kreditvergabe der meist westlichen Banken in Osteuropa in den letzten Jahren äußerst „subprime“ war. Die Methoden und laxen Vergabekriterien für Kredite waren nicht besser als in den USA. Zusätzlich wurde im Osten ein Großteil der Kredite in Fremdwährung wie Euro, Dollar, Yen oder Franken vergeben – wegen der niedrigeren Zinsen und daher niedrigeren monatlichen Rückzahlungsraten. So fragt die „Berner Zeitung“: „Luxus auf Pump: Stößt der Osten Europas Banken in den Abgrund?“ Natürlich war es Luxus auf Kredit, es wurden teure Häuser und Autos auf Kredit gekauft, in Polen oder Ungarn etwa zu 60 Prozent in Schweizer Franken. Jetzt werten dort die eigenen Währungen ab und die Kreditnehmer können die höheren Raten nicht mehr bezahlen. Zudem bricht überall die Realwirtschaft zusammen, die Arbeitslosigkeit explodiert.

Wenig ist von diesen Krediten in wirklich ertragreiche Industrien geflossen, das meiste aber in Aktien- und Immobilienspekulationen sowie den Konsum. Diese Kredite zahlen sich nicht durch erhöhte Produktion aus, sondern müssen, wie sich jetzt zeigt, abgeschrieben werden.

Zusätzlich zu den Pleitekandidaten im Euroraum mit inländischer geplatzter Bubble wie Irland oder Griechenland kommt jetzt auch Österreich dazu – wegen der „Rettung“ der österreichischen Banken, die in Osteuropa etwa 300 Milliarden Euro an Krediten vergeben haben (100 Prozent des österreichischen BIP – ein Rekordwert). Die Spreads auf österreichische Staatsanleihen explodieren daher gerade, der Pleitegeier fliegt über Wien bereits tief. Gerade meldet Bloomberg, dass Deutschland und Frankreich möglicherweise einen Bailout der kleineren sich in starken Schwierigkeiten befindlichen Euro-Länder versuchen werden. Dabei haben beide bereits genügend eigene Probleme.

Flucht aus dem Euro

Der Euro stürzt jetzt gegenüber dem ohnehin schlechten US-Dollar und Gold ab. Der Euro kostet nur mehr 1,25 Dollar, vor einigen Wochen lag er noch bei 1,50. Der Grund: Die Flucht aufgrund des Osteuropa-Debakels, das Westeuropa viel stärker trifft als die USA.

Edelmetallhändler aus Deutschland berichten mir, dass die Nachfrage nach Gold und Silber zu einem Orkan geworden ist, viel stärker als im Krisenmonat Oktober 2008. Auch gibt es jetzt Berichte darüber, dass die sehr Reichen in Europa und den USA ins Gold gehen. Sogar Banken empfehlen ihren reichen Kunden schon Gold.

Die Rettungsboote Gold und Silber werden wahrscheinlich bald gar nicht mehr zu bekommen sein. Man kann dann höchstens noch in Minenaktien gehen.

Im Herbst 2008 haben uns die Zentralbanken per Goldpreisdrückung einen stetig fallenden Goldpreis vorgespielt. Das ist jetzt vorbei. Der Preis steigt für alle sichtbar und in allen Währungen. Zur Angst vor Vermögensverlust kommt jetzt auch die Gier nach Gewinn, die beste Investment-Kombination, die es gibt. Bald wird der Goldpreis wieder 1.000 Dollar erreichen, eine Symbolmarke. Dann fliegt uns bald das Finanzsystem um die Ohren. Schon die Rettungsboote besorgt? Der Euro taucht gerade ab.

Information

Die aktuellen Marktkommentare von Walter K. Eichelburg erscheinen zweiwöchentlich im Rohstoff-Spiegel und auf ef-online. Eichelburg ist Consultant und Investor in Wien. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Investment- und Geldfragen. Er kann unter walter@eichelburg.com erreicht werden. Er betreibt die Gold-Website Hartgeld. Dieser Artikel ist als völlig unverbindliche Information anzusehen und keinerlei Anlageempfehlung. Jegliche Haftung irgendwelcher Art für den Inhalt oder daraus abgeleiteter Aktionen der Leser wird ausdrücklich und vollständig ausgeschlossen.


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