21. März 2009

Marktkommentar Beruhigungen und Realität

Das Gute-Nachrichten-Kartell tut, was es kann

Nachdem der Goldpreis am 20. Februar wieder 1.000 Dollar pro Unze erreicht hatte und die Schieflage einiger US-Banken wie Citigroup sichtbar wurde, hat man eine Beruhigungs-Kampagne gestartet. Eigentlich sollte man es eine Lügen-Kampagne nennen, denn außer Manipulationen hat man nicht mehr viel aufzubieten. Diese Lügen funktionieren aber interessanterweise immer noch.

Da erschien am 10. März eine Meldung über ein internes Email vom Citigroup-CEO Pandit in allen Medien, wonach die Bank seit Anfang 2009 wieder Gewinne mache. Natürlich wurde nicht dazugesagt, dass es sich um Zahlen ohne Abschreibungen handelt. Die Nachricht wurde ganz bewusst hinausposaunt, nachdem in den Tagen zuvor die Citi-Aktien um bis zu 30 Prozent pro Tag gefallen waren und zum Pennystock wurden. Gleich danach kamen andere Banken mit ähnlichen „Erfolgsmeldungen“. Die „FTD“ schreibt dazu: „Doch genau danach sieht die gut abgestimmte globale Banken-PR-Aktion aus. Nichts anderes als ein Gute-Nachrichten-Kartell – um Märkte und Menschen ruhig zu stellen.“ 

Die meisten Medien hinterfragten so etwas nicht, sondern berichteten nur, was über die Agenturen hereinkam. Auf die meisten Medien kann sich das Nachrichten-Kartell absolut verlassen, die hinterfragen nichts. Diese Bubble der Obrigkeits-Gläubigkeit muss auch noch platzen. Und sie wird es.

Natürlich musste man bei dieser Aktion nicht nur die Bankaktien heben, sondern auch den Goldpreis drücken. Dieser ging runter auf 900 Dollar, verweigert aber einen weiteren Fall. Eine Vorspiegelung eines stetig fallenden Goldpreises, um die Investoren vom Gold abzuhalten wie im Herbst 2008, gelingt nicht mehr so einfach.

Die Realität

Die Realität, das ist der Zusammenbruch der Realwirtschaft. Beispiele in Stichworten: Wirtschaftseinbruch in Japan um 13 Prozent, ähnlich in Thailand, Südkorea, Taiwan, China. Einbrüche bei LKW-Verkäufen in Deutschland um 95 Prozent. BMW im Überlebenskampf. Einbrüche im deutschen Maschinenbau um 60 Prozent. Die Kurzarbeit geht überall in Massenentlassungen über. USA: Durchschnittspreis für ein Haus in Detroit: 7.500 Dollar – billiger als ein (wegfahrbarer) Gebrauchtwagen. Die 40.000 Shopping Malls in den USA sperren reihenweise zu und verfallen.

Es ist inzwischen klar, dass Länder wie Deutschland in die „einfache Depression“ eingetreten sind (10 Prozent Wirtschaftsschrumpfung), Länder wie Großbritannien, Irland oder die USA sind bereits kurz vor der „Großen Depression“ (25 Prozent Schrumpfung).

Die Eliten in Politik und Wirtschaft wollen immer noch nicht erkennen, was los ist, nämlich ein genereller Abbau der Schuldenberges wie in jedem „Kondratieff-Winter“. Dieser ist voll im Gang. Daher kleben sie weiter ihre Liquiditätspflaster auf und hoffen, dass ihre Reflation gelingt. Als Resultat werden sie die Hyperinflation ernten, sobald die Flucht aus den Staatsanleihen beginnt. Bei zwei Euro-Ländern (Irland und Griechenland) ist es schon soweit, dass sie real pleite sind.

Sorry, Politiker, Eure Wünsche nach einer Reflation, um aus der Krise herauszukommen, werden nicht von Erfolg gekrönt sein. Dazu ist der Verfall schon zu weit fortgeschritten. Wenn die richtige Flucht aus dem System kommt, ist es vorbei. Ein schnell steigender Goldpreis wird es anzeigen. Die Bank of England warnt gerade wieder vor einer kritischen Situation wie kurz vor der Lehman-Pleite. Schlägt es jetzt durch?

Information

Die aktuellen Marktkommentare von Walter K. Eichelburg erscheinen zweiwöchentlich im Rohstoff-Spiegel und auf ef-online. Eichelburg ist Consultant und Investor in Wien. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Investment- und Geldfragen. Er kann unter walter@eichelburg.com erreicht werden. Er betreibt die Gold-Website Hartgeld. Dieser Artikel ist als völlig unverbindliche Information anzusehen und keinerlei Anlageempfehlung. Jegliche Haftung irgendwelcher Art für den Inhalt oder daraus abgeleiteter Aktionen der Leser wird ausdrücklich und vollständig ausgeschlossen.


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