04. April 2009

Marktkommentar Printer-Ben

Über bereits tiefe Depressionswerte

Die im letzten Marktkommentar genannten „guten Nachrichten“ scheinen noch etwas anzuhalten. Jedenfalls ist es in den letzten zwei Wochen zu keinem großen „Systemabsturz“ im Finanzsystem gekommen. Wie lange das anhält, ist nicht zu sagen.

Auf jeden Fall läuft eine konzertierte Aktion der Regierungen, Zentralbanken und Großbanken. Dazu gehören nicht nur Marktmanipulationen jeder Art (etwa dass der Goldpreis unbedingt unter 1000 Dollar pro Unze gehalten werden muss). Auch will man die Bilanzierungsregeln der Banken weiter aufweichen, sodass die Banken jeden gewünschten Wert für ihre „Assets“ annehmen können. Wieviel diese „Assets“ der Banken wirklich wert sind, hat sich bei der Lehman Pleite letztes Jahr gezeigt, dort waren es im Durchschnitt neun Prozent des Nominalwertes.

Die Realwirtschaft bricht weltweit weiter ein. Wirkliche Horrorzahlen kommen aus Asien, wo etwa Japans Exporte und Importe um 50 Prozent eingebrochen sind – tiefe Depressionswerte. Auch aus Deutschland kommen Horrorzahlen, etwa Einbrüche beim Maschinenbau um 50 Prozent.

Die USA und Großbritannien versinken gerade in einer tiefen Depression, vor den Arbeitsämtern stauen sich die Schlangen der Arbeitslosen hunderte Meter weit.

Arbeitslose mit Studienabschluss sind dort inzwischen bereit, jede Arbeit anzunehmen, auch Teller zu waschen. Die Zeltstädte mit Obdachlosen multiplizieren sich. Dieselbe Situation herrscht auch in Spanien, wo „normale Spanier“ wieder Tätigkeiten in der Landwirtschaft übernehmen. Not reduziert die Ansprüche.

Die Steuereinnahmen brechen jetzt überall ein, die Staatsdefizite explodieren auch wegen der Bankenrettungen und der diversen Konjunkturpakete. Jährliche Defizite von über 10 Prozent des Bruttosozialprodukts gelten inzwischen als „normal“.

Solche Defizite sind allerdings nicht mehr über den Anleihenmarkt finanzierbar, also wird in den USA und Großbritannien das Geld dafür inzwischen von der Zentralbank gedruckt. Auch bei uns kommen immer mehr neue Geldscheine in Umlauf, ein Zeichen dafür, dass massiv Papiergeld gedruckt wird. Das wirkliche Gelddrucken, also der Aufkauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank, findet natürlich elektronisch statt. Man nennt das auch „Monetisieren“.

Sobald ein Staat zu diesen Maßnahmen greift, werden üblicherweise die Währung und die Staatsanleihen abverkauft. Das passiert in Ungarn, Island, etc. Die Investoren bekommen Angst vor der Hyperinflation, die den Wert ihrer Anleihen auffrisst. Das dauert bei „Reservewährungen“ wie US-Dollar und Euro etwas länger, es kommt aber auch. Und wenn es kommt, ergießt sich eine ungeheure Menge von Papieren aller Art auf den Markt, die die Zentralbank aufkaufen muss, damit nicht die Zinsen explodieren. Die Währung ist dann erledigt. Importe sind dann nicht mehr möglich, der Zusammenbruch des betroffenen Landes nimmt seinen Lauf.

Printer-Ben

Der Chef der US-Zentralbank Federal Reserve ist seit 2002 und seiner damaligen „Helikopter-Rede“ auch als Helikopter-Ben oder Heli-Ben bekannt. Damals hat er die Methoden aufgelistet, mit denen er eine Deflation bekämpfen könnte, inklusive dem Abwurf von Geldscheinen aus Hubschraubern.

Alle diese Methoden ausgenommen der Hubschrauber-Idee praktiziert er derzeit. Nachdem er so viel neues Geld druckt, sollte man ihm den Namen „Printer-Ben“ verleihen.

Information

Die aktuellen Marktkommentare von Walter K. Eichelburg erscheinen zweiwöchentlich im Rohstoff-Spiegel und auf ef-online. Eichelburg ist Consultant und Investor in Wien. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Investment- und Geldfragen. Er kann unter walter@eichelburg.com erreicht werden. Er betreibt die Gold-Website Hartgeld. Dieser Artikel ist als völlig unverbindliche Information anzusehen und keinerlei Anlageempfehlung. Jegliche Haftung irgendwelcher Art für den Inhalt oder daraus abgeleiteter Aktionen der Leser wird ausdrücklich und vollständig ausgeschlossen.


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