01. Mai 2009

Internet-Zensur Die Porno-Nazis von Brüssel-Berlin erobern Deutschland

Die (versehentlichen) Falschsurfer fängt man, die perversen Produzenten lässt man laufen

„Es ist nie zu früh, Kindern die eigene Sexualität nahe zu bringen“, dachte Onkel Heinz. Und steckte seiner 13-jährigen Nichte Jessica den Finger in den Po. Das ist nicht nur pervers, sondern auch strafbar. Beides ist steigerungsfähig. Zum Beispiel wenn Heinz sich dabei fotografieren lässt. Und von dem Negativ hinterher hundert Abzüge gemacht werden. Einen schickt er an Sie. Eklig, gelle? Und kriminell!

Kriminell sind an dieser Stelle übrigens Sie, liebe Leserin und lieber Leser, weil sich ja Kinderpornografie in Ihrem Besitz befindet. Dass Sie noch nicht einmal den Hausbriefkasten geöffnet haben, ist dazu auch nicht notwendig. Ungeklärt ist übrigens, wie denn der strafmindernde Umgang im Falle einer Entdeckung wäre. Mülleimer in der Küche? Schredder? Oder sicherheitshalber die Polizei rufen, die das Monopol auf den strafffreien Besitz aller Perversionen besitzt?

Solchen Stress hat man im Internet nicht. Hier wird das Strafverfahren automatisiert. Entdeckt der surfende Staatsanwalt pöhse Pilder, werden diese gesperrt. Wer jetzt meint, dass er dazu den Server des Anbieters stilllegen lässt, ist nicht auf der Höhe der Zeit. Das Material bleibt hübsch im Netz, nur müssen die Provider für den Internet-Zugang in der BRD eben jenen Zugriff unterbinden.

Wir haben lange gerätselt, warum man nicht einfach das Material aus dem Netz entfernen lässt. Da Kinderpornografie auch außerhalb der BRD strafbar ist, wäre das ja nun der bessere Weg. Dummerweise kann der Staatsanwalt dann nicht alle jene Menschen verhaften, die versucht haben, die Seite aufzurufen. Wie geht das?

Erstens: Die Webseite mit dem perversen Inhalt bleibt unbehelligt!

Zweitens: Ihr Zugangsprovider schaltet eine „Ersatzseite“ auf, die Ihnen präsentiert wird, wenn Sie den schlimmen Inhalt aufrufen

Drittens: Auf der Ersatzseite wird Ihre IP-Adresse gespeichert.

Viertens: Ihr Zugangsprovider kennt diese IP-Adresse, also Ihre Real-Daten, und kann diese automatisch an die Staatsanwaltschaft weiterleiten.

Fünftens: Das ist dann ein hinreichender Anfangsverdacht für eine Hausdurchsuchung und Beschlagnahme Ihres Rechners!

Anstelle mühsamer Auswertungen und langwieriger Beweise stellt die deutsche Justiz nun ihre Effizienz unter Beweis. Das Ganze kann vollständig automatisiert werden. Da Deutschland ja ein „Rechtsstaat“ ist, haben Sie meist gute Chancen, schon nach wenigen Jahren einen Richter zu sehen, der einsieht, dass Sie schuldlos sind. Zu dumm nur, dass diese Richter noch nicht automatisiert sind. Aufgrund der lahmen deutschen Justiz können Sie bis dahin mit dem Stigma des Perversen leben. Und ohne Ihre Rechner und allerhand Akten, an denen sich derweil die Staatsanwälte delektieren (wer sucht eigentlich einen Job, in dem er hauptberuflich Bilder von Heinz und Jessica suchen und auswerten muss?).

Ein netter Spaß übrigens für persönliche Feinde, Konkurrenten oder den Ex-Lebensgefährten. Schnell den URL per Mail zum Gegner, ein Klick des Empfängers, und vor dem Staatsanwalt schützt der Filter gegen Viren und andere Schädlinge nicht. So ist dann schnell der Rechner weg, und mit solchen Perversen braucht man doch kein Mitleid haben?

Interessant auch die Verschiebung bei der Informationsfreiheit. Die letzten Bösen waren „Nazis“, nur war damals ausschließlich das Angebot strafbar. Die Zensurbehörden hatten das Strafrecht noch nicht auf den Empfänger angewendet. Die Erstellung von Schriften, die zu historischen Fragen von der amtlichen Meinung abwichen, hat Germar Rudolf in den Knast gebracht; Sie als Leser gingen straffrei aus. Die schönen Zeiten sind vorbei. Siebzig Prozent der Deutschen haben diese Gesetzgeber legitimiert. Der nächste bitte.


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