16. Mai 2009

Marktkommentar Die Staatsanleihen kommen unter Druck

Vor dem Erdbeben auf die Seismographen schauen!

Die „Rettung der Banken“ ist den „Herren der Welt“ (siehe letzter Marktkommentar) inzwischen vortrefflich gelungen, wie etwa der amerikanische Banken-Stresstest zeigt. Nach diesem benötigen nur wenige Banken läppische 75 Milliarden US-Dollar, um eine noch größere Wirtschaftskrise zu meistern. Gott (JP Morgan) und Primus (Goldman Sachs) der Wall Street brauchen natürlich gar kein zusätzliches Kapital. Sogar die Mainstreammedien berichten inzwischen weltweit, dass sich die Banken dieses Ergebnis selbst geschrieben haben, genauso wie ihre plötzlichen Gewinne.

Als würde ein neuer Dr. Goebbels mit seinem Propagandaminsterium aufmarschieren, wird überall betont, die Krise würde ihrem Ende entgegengehen und eine neuer „Aufschwung“ kommt. Das ist natürlich pure Propaganda, man will die Leute einlullen. In der großen Depression der 1930er Jahre hat es auch solche Durchhalteparolen gegeben und die Wirtschaftslage wurde trotzdem immer schlechter. Wie jetzt, wo die Realwirtschaft weiter zusammenbricht und die Massenentlassungen beginnen.

Der Abverkauf der Staatsanleihen fängt an

Überall steigen jetzt die Zinsen der langfristigen Staatsanleihen. Beim 30-jährigen US-Treasury-Bond haben sie seit Dezember 2008 um 66 Prozent zugelegt. Dies trotz der Monetisierungs-Aktivitäten der US-Zentralbank. Der US-Dollar wird auch wieder abverkauft und Gold scheint sicher über 900  Euro pro Unze zu liegen.

Die Yield-Curve (Staffelung der Zinsen von kurz- bis langfristig) ist überall extrem steil, was üblicherweise eine kommende Inflation anzeigt. In diesem Fall wird es wohl die Hyperinflation sein, wenn Staatsanleihen und Währungen in Panik auf den Markt fliegen.

Die „Financial Times“ schreibt bereits, dass das AAA-Rating der USA inzwischen angezweifelt wird. Kein Wunder bei einem prognostizierten Staatsdefizit von 1850 Milliarden Dollar., was etwa 50 Prozent des Gesamthaushalts entspricht. In anderen Staaten ist die Situation auch nicht besser. Es gibt eine Studie von Bud Conrad, die zeigt an historischen Beispielen, dass auf solche Defizite eine Inflationsrate von 1000 Prozent oder mehr folgt.

Wer wissen will, was ein Downgrading der USA bedeutet, sollte sich diesen Kommentar des Bond-Gurus Jim Bianco in „Daily Reckoning“ vom 22. Oktober 2003 ansehen: „Das würde schlicht das Ende des modernen Finanzsystems bedeuten.“ Dieses baut primär auf den Treasuries als „Deckung“ auf. Offenbar stehen wir jetzt kurz vor diesem Kollaps. Egal, ob Moody’s und Co. das Downgrading vornehmen. Der Wert des Dollars wird ohnehin durch Monetisierung zerstört. Irgendwann kommt der Panik-Abverkauf von Dollars und Treasuries sowie aller anderen Währungen gegen Realgüter und Gold.

Bob Moriarty von 321gold.com vergleicht das mit einem Erdbeben der Stärke 15. Man versucht zwar mit allen manipulativen Mitteln, dieses Erdbeben zu verhindern, aber es dürfte nicht mehr allzu weit entfernt sein. Wie bei einem echten Erdbeben weiß man nie genau, wenn es wirklich kommt. Der schnell steigende Goldpreis wird es vermutlich anzeigen. Erst dann kommt der wirkliche Crash aller Papierwerte.


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