13. Juni 2009

Marktkommentar Die Hyperinflation läuft an

Die Anleihen-Wächter wittern Inflation

In meinem letzten Marktkommentar habe ich über die „Vorkrise“ und die „Hauptkrise“ geschrieben. Die Vorkrise haben wir jetzt mit einem Einbruch der Realwirtschaft, aber der Staat ist noch unberührt und wirft mit Geld herum, als gäbe es kein Morgen.

Die „Hauptkrise“, die wirklich schwere, hyperinflationäre Depression, zeichnet sich bereits ab. Staaten wie Island, Lettland, Ukraine oder Ungarn sind schon drin. In Lettland etwa erscheint dieser Tage kein einziger Käufer für Staatsanleihen, das Land ist somit bankrott. Noch versucht man, die Währung Lat gegenüber dem Euro stabil zu halten, jedoch wird das vermutlich nur noch wenige Tage gelingen, dann folgt eine kräftige Abwertung: Alle Preise werden explodieren, außer jene von Finanzwerten wie Immobilien, die auf Kredit gekauft wurden. Denn die Kredite werden unbezahlbar, in diesem Land laufen 90 Prozent aller Kredite in Fremdwährungen, meist in Euro.

Und bei uns?

Wir im Euro-Raum und auch im Dollar-Raum sollten uns nicht zu früh freuen. Auch hier gibt es bereits Anzeichen auf eine hyperinflationäre Trendwende. Seit einigen Monaten schreiben Finanzmedien über die Inflationsgefahr durch die enorme Menge an Geld, das die Zentralbanken in ihre Systeme gepumpt hat. Diese Geldberge beginnen jetzt wieder aus den Banken herauszukommen: der Ölpreis ist von 31 Dollar pro Barrel schon wieder auf 70 Dollar geklettert, obwohl die Ölnachfrage weiter sinkt und auf Öltankern etwa 100 Millionen Barrel lagern. Auch der Kupferpreis steigt wieder stark, seitdem die Chinesen begonnen haben, Dollars in Rohstoffe zu tauschen. Diese Preissteigerungen sind eindeutig eine Flucht aus dem Papier durch das Smart Money, etwa durch Hedge Fonds.

Und auch die Zinsen der Staatsanleihen steigen. Seit dem Dezember 2008, als alle „Bond-Affen“ die „Sicherheit von Staatsanleihen“ gesucht und die Zinsen auf ein Rekordtief getrieben haben, ist der Zinssatz der zehnjährigen US-Treasury-Notes von etwa zwei Prozent auf jetzt vier Prozent gestiegen. Das ist fast eine Verdoppelung – mit entsprechendem Einbruch des Kurses. Auch die Zinsen der zweijährigen Treasury-Notes steigen dramatisch. All das zeigt eindeutig, dass die „Bond-Vigilantes“ (Anleihen-Wächter) aufgewacht sind und Inflation wittern. In der Tat zeigen historische Beispiele, dass auf Staatsdefiziten von 50 Prozent des Budgets oder mehr (wie sie jetzt zu verzeichnen sind) ein Jahr später eine Inflation von Tausend Prozent oder mehr folgt – Hyperinflation. Die Flucht aus der Währung hat eingesetzt. Bald ist es vorbei mit den Bankenrettungen.

Gold

Der Goldpreis hat vor einigen Tagen fast 1000 Dollar pro Unze erreicht, bevor er wieder auf ca. 950 Dollar gedrückt wurde. Weiter runter geht es offenbar nicht mehr, weil jetzt auch große Hedge Fonds und sogar Lebensversicherungen massiv in Gold einsteigen.

Mehrere Kommentatoren sehen die 1000-Dollar-Marke als kritisch an: Sobald sich Gold darüber stabilisiert, wird der Zustrom von Geld so groß sein, dass die nachfolgende Explosion des Goldpreises und die Flucht aus dem Finanzsystem praktisch automatisch erfolgt.

Wie Herr Ziemann auf hartgeld.com schreibt: „Die Marke 1000 Dollar wird bis zum letzten 400-Unzen Blutstropfen Zentralbankgold verteidigt“. Wahrscheinlich ist es genau so: Fast das gesamte Zentralbankgold sollte jetzt schon weg sein. Dann wird das System hyperinflationär verpuffen, alle Währungen und Staatsanleihen werden abverkauft. Es wird sich zeigen, wer in den Rettungsbooten aus Gold und Silber sitzt. Denen gehört dann die Welt.


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