27. Juni 2009

Marktkommentar Keine „Green Shoots“ zu sehen

Die Propaganda kann die Realität nicht verbergen

In den letzten zwei Monaten hat man der Welt einen Bären aufgebunden mit den Schlagworten „Bodenbildung“, „Aufschwung kommt“, „Green Shoots“ (neue Triebe kommen aus dem Boden). Das kam primär von den Propagandaministerien der USA und der Wall Street, um zu „beweisen“, dass die Wirtschaftskrise zu Ende sei und es jetzt wieder aufwärts gehe. In Europa wurde das natürlich eifrig übernommen – reine Illusionserzeugung, denn die Realwirtschaft bricht weiter zusammen, in den USA etwa der Einzelhandel und in Exportnationen wie Deutschland die Industrie. Deutscher Maschinenbau: 54 Prozent Auftragseinbruch! Boeing etwa hat einen negativen Auftragseingang (mehr Flugzeug-Abbestellungen als Neubestellungen).

Hier ein paar Depressionsmeldungen im Block von der Deutschland-Seite meines Portals hartgeld.com: IBT: „Rezession in Deutschland verschärft sich doch weiter“, „Sozialleistungen: Arbeitgeberverband rechnet mit Personalabbau“. DW: „Wirtschaft schrumpft, Arbeitslosigkeit steigt“, „Süddeutsche“: „Maschinenbau in Not“, „Welt“: „Deutsche Wirtschaft bricht um 6,4 Prozent ein“. „Handelsblatt“: „Deutsche erleiden erneut Reallohneinbußen“, „Deutsche Exporteure erleben herben Rückschlag“. „Zeit“: „Experten: Aufschwung nicht vor 2011“. MM: „Die Lage ist grottenschlecht“. MVticker: „Konjunkturentwicklung zum Frühsommer 2009: Die Stimmung sinkt weiter - Wende nicht in Sicht“. „BörseGo“: „Erwartungen hui, Lage pfui!“. ARD: „Konjunkturoptimismus wirkt nicht mehr“.  „Handelsblatt“: „Weltbank sieht für Euro-Zone und USA schwarz“. Reuters: „Maschinenbaubranche rechnet mit weiterem Stellenabbau“. „Süddeutsche“: „Bundesbank dämpft Hoffnung auf Ende der Krise“.

Es sind so viele solcher Meldungen, dass man sie nurmehr im Block bringen kann. Die „Green Shoots“ verwelken nicht nur, sie waren nie da – sie waren lediglich eine Propaganda-Erfindung. Inzwischen werden Warnungen gemeldet vor massiven Kreditausfällen bei den Banken im Inland durch Firmenbankrotte. Zwar noch nicht so stark wie in Lettland (Bankrotte plus 150 Prozent), aber mit stark steigender Tendenz. Eine zweite Bankenkrise ist entsteht hier, diesmal nicht durch ABS/MBS/CDO-Mistpapiere aus den USA oder von sonstwo (Konsumkredite), sondern aus dem Zusammenbruch der eigenen Wirtschaft.

Trotzdem steigen die Rohstoffpreise. Eigentlich ist es widersinnig, dass sich in diesem Umfeld etwa der Preis für Rohöl von 33 Dollar pro Barrel auf 72 Dollar verdoppelt hat. Ebenso steigen andere Rohstoffe, etwa Kupfer, das von den Chinesen massiv gekauft wird, um Dollars loszuwerden. Eine Flucht aus dem Geld und auch aus Staatsanleihen ist also angebrochen. Dies deshalb, weil praktisch alle Regierungen für ihre Bankenrettungen und andere Bailouts sowie Konjunkturprogramme mit geborgtem Geld herumwerfen, wie sie es noch nie getan haben. Staatsdefizite von über 10 Prozent des BSP sind inzwischen üblich. Staaten wie die USA oder Großbritannien bekommen so viel Geld nicht mehr von den Kapitalmärkten, also drucken sie es. Das führt über kurz oder lang zum Abverkauf der Währungen und damit zur Hyperinflation. Dann werden auch die derzeit maßlos überteuerten Aktienkurse zusammenbrechen. Alle Vermögenswerte verfallen dann. Und alle essentiellen Güter explodieren im Preis – besonders Gold.


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