22. August 2009

Marktkommentar Ist die Reflation erfolgreich?

Die Staats-Bubble als letzte Bubble

In meinem letzten Marktkommentar habe ich beschrieben, welche unglaublichen Propaganda- und Markmanipulations-Anstrengungen unternommen werden, um die Finanzkrise zu verstecken. Besonders in Deutschland vor der Bundestagswahl am 27. September und in den USA ist das extrem. Da wurden doch letzte Woche in einigen deutschen Finanzmedien von der Regierung praktisch viele Seiten lange „Inserate“ mit Jubelmeldungen „geschaltet“. Natürlich waren das Artikel, die neues „Wirtschaftswachstum“ von 0,3 Prozent bejubelten. Jeder, der sich irgendwie noch etwas Hausverstand gerettet hat, muss sagen: Das gibt es doch nicht!

In den USA ist es ähnlich, dort will Obama (eigentlich sein Wirtschaftsberater Larry Summers) ein Ende der Depression erzwingen. Die Konjunkturpakete verpuffen, weil nichts vorbereitet ist. Das Einzige, was funktioniert, sind die Manipulationen der Bankenbilanzen (jetzt offiziell sanktioniert) und der Märkte sowie das Gelddrucken. Inzwischen muss Ben Bernankes Fed schon 50 Prozent der neu ausgegebenen Staatsanleihen im Umweg über die Primary Dealers monetisieren, das heißt also das Geld für den Ankauf (elektronisch) drucken – der klassische Weg in die Hyperinflation und den Dollar-Crash. Hedge Fonds bereiten sich wie in der letzten Ausgabe beschrieben bereits darauf vor. Daher kann auch der Goldpreis kaum mehr richtig gedrückt werden.

Was ist eine Reflation?

In jeder Wirtschaftskrise versuchen Zentralbanken und Regierungen, über niedrige Zinsen die Kreditvergabe wieder anzukurbeln. Denn eine expandierende Kreditsumme braucht das System, um nicht zusammenzubrechen. Die vorletzte derartige Reflation (Wieder-Inflation) wurde 2001 gestartet. Damals wurde damit in vielen Ländern eine Konsumkredit-Bubble unglaublichen Ausmaßes aufgebaut, die ab 2007 geplatzt ist.

Das wurde ganz bewusst gemacht, um alle Papierwerte in die Höhe zu treiben. Inzwischen sind die Konsumenten und auch die Firmen total „ausgepowert“. Sie haben keine Kreditwürdigkeit mehr und können daher, auch wenn sie wollten, keine neue Kreditbubble mehr initiieren. Die Amerikaner haben wegen der hohen Arbeitslosigkeit sogar das Sparen wieder gelernt.

Die Staats-Bubble

Inzwischen gibt es nur mehr einen potentiellen Schuldner, den Staat, der noch etwas Verschuldungs-Kapazität besitzt. Das wird derzeit intensiv ausgenütz, für Bankenrettungen, Konjunkturpakete, Abwrackprämien, etc. Sogar der Quelle-Katalog der insolventen Arcandor wurde mit Staatsgeldern gerettet. In die USA und in Großbritannien macht das Staatsdefizit daher schon über 50 Prozent des Staatshaushalts aus – ein klassisches Hyperinflations-Territorium. Üblicherweise folgt dann ein Jahr später eine Inflation von über 1000 Prozent – weil aus einer solchen Währung geflüchtet wird.

Dann platzt auch die Staats-Bubble: Die Staatsanleihen und die Währung werden in Panik abverkauft. Wenn das bei US-Dollar oder Euro passiert, und es wird passieren, dann kann man nur mehr in Gold oder Realgüter flüchten – es ist keine Reservewährung mehr da, in die man flüchten könnte.

Unsere Eliten verstehen nur die oben beschriebene Reflation als Heilmittel für alle Rezessionen. Sie wollen nicht verstehen, dass jetzt der Kondratieff-Zyklus zu Ende geht und dabei die Schulden abgebaut werden. Denn hinter diesen Schulden stehen nichts als Kredite für Konsum und Spekulation, kaum für neue Produktion. Mit einem Produktionseinbruch wie derzeit und Massenarbeitslosigkeit können diese Kredite nicht mehr zurückbezahlt werden. Daher wird auch dieser letzte Reflations-Versuch scheitern. Vermutlich im Herbst 2009 geht es richtig los. Die ersten Vorläufer der nächsten Bankenkrise aus Kreditausfällen im Inland sind bereits überall zu sehen.

Diesmal hilft keine neue Staatsgarantie für Bankeinlagen. Die gibt es schon, das war letztes Jahr. Daher gehen diesmal Staat wie Staatsanleihen und Währung mit unter – das ist in jedem Papiergeldsystem so. Und dagegen hilft nur Gold.


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