20. Oktober 2009

Umweltschutz und Nachhaltigkeit Wie der WWF den Regenwald wirklich retten könnte

Statt Lösungen mittels Eigentum zu suchen, wird seit 40 Jahren Geld in wechselnden politischen „Konzepten“ verbrannt

Im Briefkasten liegt ein großes Faltblatt des WWF. Das ist die große Tierschutzorganisation mit dem Panda-Bären im Logo. Heute wollen sie für den Regenwald im Amazonas sammeln. Denn „das Weltklima braucht den Amazonas“, und irgendwelche bösen Menschen machen sich gerade daran, den ganzen, großen Regenwald abzuholzen. Abgebildet ist auch ein hübscher Vogel mit einem großen, gelben Schnabel, und eine Katze der Marke Jaguar. Da ich solche Tiere gerne mag, schaue ich mir an, wie ich denn helfen kann.

Mit 50 Schweizer Franken kann ich einen Quadratkilometer Regenwald retten. Das tönt jetzt sehr billig. Gemeint ist: 50 Franken pro Jahr. Das erscheint mir immer noch sehr günstig. Auch bei dem niedrigen Lohn-Niveau in Südamerika zweifele ich doch daran, dass man eine solche Fläche zu diesem Preis wirklich bewachen kann. Und überhaupt: Wer bewacht für und gegen wen? Patrouillieren WWF-Mitarbeiter mit automatischen Waffen rund um die gesponserten Quadratkilometer, um den Jaguar vor dem Holzfäller zu schützen?

Das Thema Regenwald-Abholzung ist nicht neu. Die Diskussion um die Verwendung von Tropenhölzern dürfte mindestens 30 Jahre alt sein, vermutlich älter. Brasilien war immer im Brennpunkt. Der WWF ist eine Organisation aus den Sechzigern des letzten Jahrhunderts, also über 40 Jahre alt. Und im Jahr 2009 „drohen 55 Prozent des Amazonas-Regenwaldes für immer vernichtet zu werden“. Fassen wir das zusammen: In den letzten 40 Jahren ist es dem WWF nicht gelungen, die Existenz des Regenwaldes nachhaltig zu sichern. Nachhaltig. Ich habe gerade das Adjektiv der Ökos benutzt. Denn die haben es gerade mal wieder vergessen. Werfen wir einen Blick auf 40 Jahre Versagen, und warum auch diese neue Kampagne nicht nachhaltig sein wird.

Damit das 55-Prozent-Szenario „nicht wahr wird, hat der WWF zusammen mit der brasilianischen Regierung ein überzeugendes Konzept entwickelt“. Soso, meine Spende fließt also in Regierungskonzepte. Es profitiert nicht der hübsche Jaguar, sondern ein Rudel feister, brasilianischer Bürokraten. Deren Fotos übrigens nicht in dem Faltblatt sind. Das „Konzept“ wird als Deklaration von Naturschutzgebieten beschrieben. Das klingt natürlich schön, nur ist Brasilien nicht das Engadin und nicht das Sauerland. In Mitteleuropa tummeln sich in den deklarierten Naturschutzgebieten überwiegend Touristen, die eben diese Natur genießen wollen. Der saturierte deutsche Tourist im Nationalpark dürfte als maximalen Umweltfrevel illegal eine Bierdose entsorgen. Der Bauer in Brasilien macht Brandrodung für neue Anbaufläche, um seine Familie besser zu ernähren. Das Hinweisschild auf das Naturschutzgebiet kann er vermutlich nicht mal lesen. Das „Konzept“, mithilfe der Regierung etwas zum Schutz des Regenwaldes zu erreichen, ist nicht erst heute gescheitert, es funktioniert seit 40 Jahren nicht.

Umweltschutz ist ein Luxusgut. Damit will ich dessen Notwendigkeit nicht bestreiten, sondern darauf hinweisen, dass nur ein gewisser Wohlstand die Rücksichtnahme erlaubt. Bevor ich erfriere, hacke ich auch den letzten Baum ab und mache Feuer. In Mitteleuropa können wir uns heute meistens den Luxus erlauben. Mitte des letzten Jahrhunderts kaufte der britische Schokoladenhersteller Christopher Cadbury die Insel „Aride“ im indischen Ozean. Und da es jetzt seine Insel war, konnte er bestimmen, was dort passierte. Von da an ging dort gar nichts mehr ab, denn er wollte die Insel als Natur-Reservat erhalten. Geld ist also da, für den Umweltschutz. Geld wird seit 40 Jahren an Vereine wie den WWF gegeben, nur dort eben nicht nachhaltig verwendet, sondern in obskure „Konzepte“ versenkt. Damit man in fünf Jahren wieder kommen kann, um zu sagen, dass man jetzt neue „Konzepte“ habe.

Umweltschutz ist einfach. Wer den Regenwald schützen will, der soll ihn kaufen! Wenn Eigentumsrechte in Brasilien nicht geschützt werden, könnte der WWF die Sezession seines Landes von Brasilien verkünden. Ein wenig Ökotourismus hilft die Kassen zu füllen. Nachhaltigkeit funktioniert. Die Umweltfredies sollten nur bei sich selbst anfangen.


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