14. November 2009

Marktkommentar Staatsausgaben – jetzt volles Rohr

Willkommen in der weltweiten Hyperinflation

Am vergangenen Freitag, dem 6. November, kam eine Hiobsbotschaft“aus den USA: Die extrem gefälschte Arbeitslosenrate „U-3“ ist erstmals seit 1983 auf 10,2 Prozent gestiegen. Der Nachschlag kam von der „New York Times“, welche die ebenfalls vom „Wahrheitsministerium“ BLS errechnete, weiter gefasste Arbeitslosenrate „U-6“ mit 17,5 Prozent angab und mit der großen Depression der 1930er Jahre verglich. Das ist natürlich immer noch nicht die Wahrheit. Die reale US-Arbeitslosenrate dürfte bei 25 Prozent liegen – wie 1933. Aber es rief die Politik zum Handeln auf.

Daraufhin meldete sich US-Finanzminister Geithner mit den Worten „Wachstum hat absolute Priorität“. Jetzt wird also um einen mächtigen Zahn zugelegt und noch mehr neugedrucktes Geld in das System geworfen. Die bisherigen Bailouts von Fannie Mae und Freddie Mac gehen weiter. Es ist in der Realität nur noch der Staat, der Hypotheken über Fannie und Freddie oder andere Organisationen vergibt oder garantiert. „Printer“ Ben Bernanke lässt die Zinsen weiter auf Null Prozent und druckt Geld, bis die (elektronischen) Druckmaschinen glühen. Defizite spielen keine Rolle mehr, Ben druckt und druckt. In Europa sind seine eifrigsten Nachahmer die Briten, die inzwischen alle neu ausgegebenen Staatsanleihen gleich an die Zentralbank weiterreichen, die das Geld dafür druckt.

Deutschland

In der letzten Krise ab 2002 wurde vom Staat zwar nicht richtig gespart, dafür hat man aber den Arbeitsmarkt etwas reformiert und die Mehrwertsteuer angehoben. Jetzt ist alles ganz anders: Die alte und neue Bundeskanzlerin Merkel hat in ihrer Regierungserklärung gesagt, dass alles gegen die Krise, besonders am Arbeitsmarkt getan werde und dafür auch eine rasant steigende Verschuldung in Kauf genommen wird. Klarer kann man es nicht sagen, ab jetzt spielen Staatsdefizite auch in Berlin keine Rolle mehr. Auch die Kollegen-Partei-Größen spucken Töne wie diese: CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe warnte die Unions-Länderchefs vergangene Woche vor rigiden Sparplänen, indem er an die Weimarer Republik erinnerte. „Damals hat man am Ende nicht nur eine Ökonomie, sondern auch noch eine Demokratie zu Grunde gerichtet.“ Hat Gröhe Recht?

Der Wechsel in der Politik

Falls es jemandem noch nicht aufgefallen ist: Das ist genau der „Schwenk der Politik“, wie er von Deflationisten wie Günther Hannich oder Robert Prechter beschrieben wurde; von einer Sparpolitik, die deflationär wirkt, zu einer expansionistischen Politik, die in die Hyperinflation führt. Zum Glück dieses Mal ohne Krieg. Das Geld für die Staatsausgaben wird einfach von der Zentralbank gedruckt.

Es scheint einen internationalen Konsens zu geben, dass notfalls auch die eigenen Währungen geopfert werden sollen, um die bisherigen Cliquen weiter an der Macht zu halten. Im Westen wird damit auch die Demokratie „geopfert“ – in einer Hyperinflation.

Gold

Als vor zwei Wochen der letzte Marktkommentar geschrieben wurde, lag der Goldpreis bei 1.050 Dollar pro Unze. Inzwischen liegt er 50 Dollar höher, bei 1.100 Dollar. Tendenz weiter steigend. Wie mehrere Quellen berichten, gibt es auf den großen Handelsplätzen London und New York kaum mehr Gold in größeren Mengen zu kaufen. Bullion-Banken wie JPM oder Deutsche Bank zahlen bis zu 25 Prozent Aufschlag auf sofort verfügbares Gold. Das Big Money, inklusive nicht-westlicher Zentralbanken, steigt jetzt ein. Daher ist auch keine Preisdrückung mehr möglich. Was wir sehen ist ein Rückzugsgefecht des Goldkartells.

Die derzeitige Flucht in das Gold erfolgt nicht wegen Banken-Crashs, sondern wegen des großflächigen Gelddruckens. Willkommen in der weltweiten Hyperinflation – hoffentlich in goldenen Rettungsbooten.


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