01. April 2010

Der Zinswettbewerb hat bereits begonnen Die Hyperinflation naht

Funktioniert das Sorossche Paradigma schon?

Die Rede von der Inflation ist in aller Munde und man verweist auf die traumatischen Hyperinflationen, welche Deutschland schon erlebt hat. Erlauben Sie mir ein Gedankenspiel. Um die Kriegsfinanzierung beziehungsweise die Reparationszahlungen zu leisten wurden die Druckmaschinen angeworfen. Im Krieg selbst sind Güter im großen Maßstab vernichtet worden, in der frühen Nachkriegszeit kaum Güter produziert worden. Gleichzeitig war der private Konsum der breiten Masse deutlich und über einen Zeitraum von vielen Jahren eingeschränkt. Am Ende traf ein hohes Papiergeldvolumen auf wenige Güter und die wenigen Güter auf eine sehr hohe Nachfrage.

Heute wird zwar mehr Geld gedruckt als Sparquote und Wertschöpfung abdecken, aber es gibt keinen Nachfrageüberhang für materielle Güter. Vielmehr ist es so, dass Schuhe, Kleidung, elektronische Unterhaltungsgeräte oder auch Autos beim Konsumenten bereits ausreichend im Bestand sind. Einzig Lebensmittel und Energie müssen beständig erneuert werden.

Wo bleibt jetzt die Inflation ?

Die politische Klasse braucht ständig Geld, hier besteht also eine große Nachfrage. Um dieses Geld zu bekommen bestiehlt sie mittlerweile ihre „Bürger“, zum Teil mit recht abenteuerlichen Methoden (CO2) oder indirekt über Staatsanleihen.

Hier greift zunehmend das Sorrossche Paradigma der selbsterfüllenden Prophezeiung. Wenn der Markt glaubt, dass Staatsanleihen wertlos werden, dann werden Staatsanleihen wertlos.

Das geht dann so: Dreißigjährige Anleihen werden nicht mehr gezeichnet, dann zwanzigjährige nicht mehr. Somit erhöht sich die Schlagzahl in der Schuldenaufnahme und Refinanzierung abgelaufener Schuldentitel. Es werden immer höhere Volumen auf dem Markt angeboten. Oder umgekehrt ausgedrückt, die Nachfrage nach Geld verstärkt sich nicht nur durch die strukturellen Defizite, sondern durch die vom Markt herbeigeführte Verkürzung der Zeitachse. Der Markt zwingt die Schuldner, ihre Nachfrage zu komprimieren.

Bei einem Überangebot gewinnt nur der Anbieter mit dem besten Preis/Risikoverhältnis. Es tritt ein Zinswettbewerb ein. Es wird kein Konsolidierungswettbewerb stattfinden, es sind ja dieselben Parteien an der Macht, die schon das Chaos verursacht haben. Dieser Zinswettbewerb trifft auch relativ solide Staaten, weil die unsoliden – das dürften außer Luxemburg, der Schweiz und Norwegen so ziemlich alle sein – müssen in immer kürzeren Abständen das Zinsangebot verbessern. Die soliden Staaten können den Abstand im Zinsangebot nicht beliebig groß werden lassen.

Dieser Zinswettbewerb und die sich verkürzenden Refinanzierungsperioden beschleunigen natürlich die Entwicklung hin zum Staatsbankrott. Das wiederum lässt den Markt nicht mehr an zehjährige Anleihen glauben, zumal man morgen vielleicht schon bessere Zinsen bekommt. Was eine weitere Beschleunigung verursacht. Voilà, da ist sie, die Hyperinflation.

Aha, und wenn Sie jetzt keine zwanzigjährigen Anleihen mehr kaufen wollen, funktioniert das Sorossche Paradigma bereits…


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Markus Matuschka von Greiffenclau

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