28. April 2010

Patente und die asiatische Perspektive Wie tot ist Europa schon?

Innovation war gestern

Europa, die USA und Japan schwinden als Produktionsstandorte. Ein Teil der verloren gegangenen Produktionsarbeitsplätze wird durch Arbeitsplätze in der Dienstleistung ersetzt.

Dienstleistung erzeugt aber nicht genügend Wertschöpfung, um die durch die Abwanderung der Produktion hervorgerufenen Verluste auszugleichen. Folglich sollten die Rahmenbedingungen für neue Wertschöpfungsprozesse verbessert werden.

Zunehmend erfolgt Wertschöpfung durch Geistiges Eigentum (IP – Intellectual Property). IBM zum Beispiel erzielt jährlich mit der Lizenzierung von Patenten Einnahmen von über einer Milliarde US-Dollar.

Innovationskraft ist der Schlüssel für die wirtschaftliche Zukunft von Nationen. Daher wird Innovation von der Politik gerne als Indikator für die Stärke der nationalen Wirtschaft gebraucht und kommuniziert. Was der Mehrheit der Adressaten verborgen bleibt, ist der Weg, wie die Politik die Wahrheit verbiegt.

Was ist ein Patent?

Ein Patent ist die zeitlich begrenzte Verbriefung des Rechts auf die Nutzung der im Patent beschriebenen Technologie. In der Patentschrift wird das technische Konzept, welches nun ein Schutzrecht ist, beschrieben. Dieses Recht kann der Inhaber auf vielfältige Weise nutzen. Er kann es in seine eigenen Produkte einfließen lassen, die somit Alleinstellungsmerkmale aufweisen. Er kann das Patent (das Recht) dieses technologischen Konzepts auslizenzieren. Er kann es auch nutzen, um seine Konkurrenz in der Produktentwicklung zu behindern. Kurz gesagt: Hat ein Unternehmen eine Technologie, welche als Alleinstellungsmerkmal vermarktet werden soll, so muss das Unternehmen dieses Patent in den Ländern anmelden, in welchen das Unternehmen das Produkt verkaufen will. Solche Anmeldungen sind „internationale Patentanmeldungen“. Bei diesen internationalen Patentanmeldungen liegt Deutschland regelmäßig auf einem der ersten drei Plätze.

Staatspropaganda und Tatsache

Diese Statistik wird von der deutschen Politik, allen voran von Frau Merkel, jährlich verkündet, um dem Volk mitzuteilen, dass Deutschland noch immer ganz vorne mit dabei ist.

Was nicht gesagt wird, sich aber aus der obigen Erläuterung dem Leser bereits erschlossen hat, ist der Umstand, dass diese internationalen Anmelder in erster Linie ausländische Unternehmen sind, welche ihre Produkte im deutschen Markt schützen wollen.

Nationale Anmeldungen als Maßstab der Innovationskraft einer Volkswirtschaft

Nationale Anmeldungen hingegen erfolgen in der Regel von ansässigen Unternehmen und sind somit ein Indikator für die tatsächliche Innovationskraft einer Volkswirtschaft.

Hier die Zahlen

Land – Einwohner – Anzahl der nationalen Anmeldungen = Einwohner je Anmeldung

Südkorea – 47 Millionen  - 200,000 Anmeldungen/ Jahr = 235 / pro Anmeldung

Japan – 120 Millionen – 400,000 Anmeldungen/ Jahr = 300 / pro Anmeldung

Taiwan – 23 Millionen – 51,000 Anmeldungen/ Jahr = 451 / pro Anmeldung

USA – 300 Millionen – 360,000 Anmeldungen/ Jahr = 833 / pro Anmeldung

Deutschland – 82 Millionen – 47,000 Anmeldungen/Jahr = 1.745 /pro Anmeldung

EU – 500 Millionen –  200,000 Anmeldungen/ Jahr =  2.500 /pro Anmeldung

Russland – 140 Millionen – 45,000 Anmeldungen/ Jahr = 3.500 /pro Anmeldung

China – 1.400 Millionen – 210,000 Anmeldungen/ Jahr = 6.667 /pro Anmeldung

Indien – 1.100 Millionen – 35,000 Anmeldungen/ Jahr = 31.429 /pro Anmeldung

Wir erkennen: Bildungsniveau, Freiheit und Innovation stehen in einem direkten Verhältnis zueinander. Während in der EU das Niveau stetig sinkt und gut ausgebildete Menschen abwandern, strengt sich China an, das Bildungsniveau der Bevölkerung zu verbessern. Der Trend in absoluten und auch in relativen Zahlen zeigt auf, wohin die Reise für die EUSSR geht.

Dieser Trend wird von einer weiteren technischen Entwicklung beschleunigt. In den USA bringen Unternehmen mittlerweile künstlich intelligente Software zum Einsatz, um Patente zu sichten und zu analysieren. Der Grund hierfür liegt auf der Hand. Der Wert eines technologischen Konzeptes lässt sich nur im Kontext mit den konkurrierenden Konzepten, deren rechtlichen Situation, Laufzeit, usw., ermitteln.

Aufgrund der neu gewonnen Fähigkeit, einen sehr großen, multi-dimensionalen und dynamischen Datenraum zu verwalten, entwickelt sich IP in eine neue Assetklasse. Patente werden in ihrem Wert transparent und hiermit, zum Beispiel als Sicherheit zur Unternehmensfinanzierung, nutzbar.

Das einzige, was der letzten Regierung in Deutschland zu diesem Thema eingefallen ist, war ein Referenten Entwurf mit dem Ziel, Patente in den Bilanzen nach Marktwert zu aktivieren, um eine kurzfristige Abschöpfung der Buchgewinne vorzunehmen. Der jetzigen Regierung ist bisher überhaupt nichts eingefallen


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Markus Matuschka von Greiffenclau

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