03. April 2010

Marktkommentar Ist der Dollar jetzt am Ende?

Die Situation vor dem Fluchtbeginn

Die letzten Marktkommentare befassten sich mit der schlechten Situation des Euro. Seit dem letzten Kommentar gab es den EU-Rettungsgipfel für Griechenland am 25./26. März 2010, bei dem ein Murks zur Marktberuhigung vorgestellt wurde. Im Ernstfall würden alle Euro-Staaten und der IWF helfend einspringen. Mit dem IWF war das anscheinend gar nicht koordiniert, dieser ist jetzt böse. Dass etwa die Spanier oder Iren für Griechenland zahlen würden, ist unwahrscheinlich. Inzwischen wird Portugal zum nächsten Notfall. Wenn es richtig losgeht, wird der Euro ohnehin zerfallen.

Das letzte Aufbäumen des US-Dollars

So etwas wurde von mehreren Kommentatoren schon vorausgesagt: Kurz bevor der US-Dollar crasht, wird er noch einmal (relativ) stark, etwa weil Carry Trades aus dem Dollar aufgelöst werden müssen, und die dahinter stehenden Dollar-Kredite zurückgezahlt werden müssen. Vermutlich sehen wir das gerade.

Es gibt aber auch Kommentatoren, die meinen, dass von New York und London künstlich auf den Euro eingehauen wurde, um ihre eigenen Währungen Dollar und Pfund künstlich zu stärken – indem die Spekulanten-Herde dort hineingetrieben wurde. Da ist sicher etwas dran. Alle westlichen Währungen sind marode und überdruckt, besonders Dollar und Pfund, wo die Staatsdefizite von 2009 fast ausschließlich aus der (elektronischen) Druckerpresse kamen. Aber auch solche Manipulationen finden einmal ein Ende – wie immer. Es ist alles nur Zeitschinden.

Warnungen vor dem Bond-Crash

Aus dem Haus des größten Bond-Fonds der Welt, PIMCO, kamen in letzter Zeit schon mehrfach Warnungen vor den amerikanischen Treasuries und den britischen Gilts. In der Tat steigen deren Zinsen derzeit an (die Preise sinken), was auf einen Abverkauf schließen liest. Auch der frühere Fed-Chef Alan Greenspan warnt inzwischen vor einem Crash der US-Staatsanleihen, immer etwas verklausuliert, wie bei ihm üblich. Es mehren sich also die Anzeichen für den großen Bond-Crash. Die Aktien werden dann auch crashen.

Wohin aus Treasuries und Bunds?

In der Realität ist es so, dass an den US-Treasury-Bonds (Treasuries), also den US-Staatsanleihen, der US-Dollar und damit das Welt-Finanzsystem hängen. An den deutschen Staatsanleihen, den Bunds, hängt der Euro. Werden diese abverkauft, dann gibt es in diesen Währungen keine Rückzugsmöglichkeit mehr, und man muss da auch raus. Wie wir in den letzten Jahren gesehen haben, folgt der Flucht aus den Staatsanleihen der Währungscrash und der Staatsbankrott – falls kein Retter wie der IWF einspringt. Bei Dollar und Euro gibt es keinen Retter – sie sind zu groß.

Speziell das Großkapital, das die entscheidenden Marktbewegungen auslöst, hat wenige Möglichkeiten, bei einer Flucht aus Dollar und Euro gemeinsam. Es bleibt eigentlich nur Gold, das liquide ist und ständig gehandelt wird. Auch wenn das Goldkartell alle Möglichkeiten verwendet, um auf den Goldpreis zu drücken, gelingt das kaum mehr unter 1.100 Dollar pro Unze. Sobald der Goldpreis wieder auf 1.200 Dollar geht, sollte der wirkliche Ausbruch kommen – Limit nach oben offen. Dann ist es um die Staaten geschehen. Nicht vergessen, nach John Williams entspricht die Gold-Spitze von 1980 über 850 Dollar einem heutigen Goldpreis von etwa 7.500 Dollar. Auch damals begann eine Flucht aus Dollar und Währungen, die nur durch hohe Zinsen gebremst werden konnte. Dieses Mal werden die Zinsen viel höher steigen, weil dann alles zusammenbricht. Das sollte nun bald losgehen.


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