17. April 2010

Marktkommentar Und täglich droht die Griechen-Pleite

Jetzt zum persönlichen Crack-Up-Boom mit Importgütern

Die Infoseite des Kopp-Verlages schrieb kürzlich: „Am Freitagabend, den 9. April, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg, die EZB habe noch am selben Abend eine Telefonkonferenz mit den Ratsmitgliedern einberufen. Es war nur die Information durchgesickert, es sollten neueste Ereignisse diskutiert werden. Die EZB gab keinen Kommentar dazu ab. In der Tat gab es am Freitag aber auch weit brisantere Nachrichten – allerdings nicht in den offiziellen Medien. Die griechische Internetseite Banking News meldete am 9. April um 7.20 Uhr mit einer ganzen Reihe an Ausrufezeichen hinter der Überschrift, dass eine große amerikanische Bank elf Tage vor der Fälligkeit (am 20. April) eine griechische Staatsanleihe in Panikmanier verkauft habe. Es handle sich um eine Staatsanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Ob die besagte große US-Bank die Anleihe für einen Kunden oder sich selbst verkauft hat, ist noch unklar.“

Griechenland war demnach am 9. April de facto pleite. Ein Griechen-Bond wurde in Panik 11 Tage vor der Fälligkeit verkauft, da an der Rückzahlung gezweifelt wurde. Und am 13. April wollte man neue Anleihen ausgeben. Da musste also wieder „etwas gemacht“ werden, damit die Märkte dieses Geld hergaben.

In der Tat kungelten Sarkozy, Berlusconi und Trichet einen neuen „Rettungsplan“ für Griechenland aus, zu dem die anderen Eurostaaten kaum Nein sagen konnten. Die „Rettung“ musste über das Wochenende geschehen. Wie schon beim EU-Gipfel im März sollten die Lasten dafür „gerecht“ auf alle Eurostaaten nach ihrem EZB-Anteil verteilt werden. Also auch die maroden Staaten Spanien und Irland, die selbst gerade massive Sparprogramme fahren, sollten mitzahlen. Die werden das aber genausowenig tun wie die Niederlande, die schon Nein gesagt haben. Vielleicht lässt immerhin Sarkozy etwas springen, denn die französischen Banken sind mit 80 bis 100 Milliarden in Griechenland drinnen. 30 Milliarden Euro würde man „bereitstellen“, 15 weitere vom IWF, hieß es dann am Sonntag, den 11. April. Nichts ist bereitgestellt, in manchen Eurostaaten wäre dafür sogar ein Parlamentsbeschluss notwendig. Real wird niemand für ein anderes Euroland, das sich selbst durch Verschwendung in diese Situation gebracht hat, zahlen. In Deutschland etwa ist der öffentliche Widerstand dagegen enorm.

In Wirklichkeit sind diese „Hilfen“ alle nur Bluffs, die jeweils kurz vor einer griechischen Emission gemacht werden, damit diese durchgeht. Ewig lassen sich die Märkte davon nicht beeindrucken. Heute, beim Schreiben dieses Artikels, am 14. April, sind die Zinsen griechischer zehnjähriger Staatsanleihen schon wieder über sieben Prozent – also in der Todeszone befindlich. Man hat den Bluff wieder nur kurzzeitig geglaubt. Der griechische Staatsbankrott ist vermutlich nur mehr eine Frage von Tagen, denn am 20. April müssen viele Milliarden zurückgezahlt werden. Geschieht das nicht, wird das als „Default“, also als Staatsbankrott gewertet.

In der Tat steht niemand hinter dem Euro und den Staatsanleihen seiner Mitgliedsländer außer EU-Lügen. Wenn man etwas vom Euro retten möchte, wird man Griechenland schnell pleite gehen und aus dem Euro ausstoßen müssen. Good bye, Greece.

Allen Menschen in der Eurozone kann man nur raten, schnellstmöglich aus dem Euro und allen Euro-Wertpapieren auszusteigen, den größten Teil in Gold und Silber (jetzt wahrlich die Rettungsboote) umzuwandeln, einen kleineren Teil eventuell in Schweizer Franken oder Tschechenkronen. Mehr Euros als für einige Monate sollte man nicht mehr halten. Und nicht vergessen: den persönlichen Crack-Up-Boom machen. Nicht in Immobilien flüchten, wie es viele machen, sondern etwa in Importgüter. Diese werden schon teurer und werden es bald noch viel mehr werden – wenn der Euro endgültig kollabiert. Good Bye, Euro.


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