Walter K. Eichelburg

Ist Betreiber der meistgelesenen deutschsprachigen Gold- und Krisenwebsite hartgeld.com. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Investment- und Geldfragen. Er ist Autor zahlreicher Artikel im Finanz- und IT-Sektor und kann unter info@hartgeld.com erreicht werden. Alle Artikel von Walter K. Eichelburg sind als völlig unverbindliche Information anzusehen und stellen keine Anlageempfehlung dar. Jegliche Haftung irgendwelcher Art für den Inhalt oder daraus abgeleiteter Aktionen der Leser wird ausdrücklich und vollständig ausgeschlossen.

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Marktkommentar : Euro-Schweine im Todeskampf

von Walter K. Eichelburg

Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier…

Mein letzter Marktkommentar vor zwei Wochen hatte den Titel „Und täglich droht die Griechen-Pleite“. Er beschäftigte sich mit dem drohenden ersten Staatsbankrott im Euroraum, dem von Griechenland. Jetzt ist er da, Griechenland ist de facto pleite. Am 27. April schossen die Zinsen für deren zweijährige Staatsanleihen auf 15 Prozent hoch, der Finanzminister musste öffentlich zugeben, dass er von nirgendwo mehr Kredit bekommt. Standard & Poor senkte das Rating des Landes gleich um drei Stufen in den Junk-Bereich. Das passiert bei „wichtigen“ Schuldnern immer ganz kurz vor dem endgültigen Bankrott. Jetzt fehlt nur noch ein Zahlungsausfall bei Staatsanleihen und Griechenland bekommt das „D“-Rating gleich Default – die offizielle Pleite. Der griechische Todeskampf ist zu Ende, der Staatsbankrott hat gesiegt.

Jeder kennt inzwischen die schon einige Jahre alte Bezeichnung von Londoner Investmentbankern für die Euro-Südstaaten, die eigentlich nie in den Euro hineingehörten und die nicht sparen können: PIGS. PIGS steht für Portugal, Italien, Griechenland, Spanien. Heute auch oft in der Version PIIGS, wenn man das total marode Irland einbezieht. PIGS ist auch das englische Wort für Schweine. Fiskalisch sind diese Staaten solche, mit riesigen Staatsschulden, Staatsdefiziten, Staatsapparaten, die nicht sparen können und sich regelmäßig große Einkommenserhöhungen „gönnten“.

Warum die nicht sparen können? Das sieht man gerade in Griechenland, das sich trotz Staatsbankrott seit Wochen in einer Art Dauerstreik im öffentlichen Dienst befindet. Bisher hat jede Regierung nachgegeben und Geld ausgeschüttet. Der früher übliche Weg einer Einkommensreduktion war immer die Abwertung der Währung mit entsprechender realer Verarmung der Bevölkerung über Inflation. Nur das wird in den PIGS-Staaten toleriert, keine nominelle Einkommens-Reduktion. Aber das geht im Euro nicht mehr so einfach.

Portugal, das nächste Euro-Schwein auf der Schlachtbank

In Portugal streikt ebenfalls gerade der öffentliche Dienst gegen Sparmaßnahmen. Zuerst wurde mit den Credit Default Swaps (CDS) auf portugiesische Staatsanleihen spekuliert, jetzt mit den Staatsanleihen selbst. Diese werden wie im Fall von Griechenland schon massenhaft abverkauft, die Zinsen steigen. Portugal ist ein sehr strukturschwaches Land mit enormem Budgetdefizit und einer Minderheitsregierung, die eigentlich nichts durchsetzen kann. Also der perfekte nächste Pleitekandidat im Euroraum…

Nachdem jetzt mit der Griechenpleite die Angst auf den Finanzmärkten vor den PIGS eingesetzt hat, gibt es wie üblich den „Contagion-Effekt“, also die Ansteckung. Man flüchtet wie eine Herde aus allen ähnlichen Staaten. Das war immer so. Interessanterweise wird derzeit nicht Spanien angegriffen, sondern Italien, ebenfalls mit enormen Staatsschulden wie Griechenland. Wenn Italien pleite geht, was jetzt nur mehr eine Frage von Wochen sein kann, dann ist der Euro so gut wie tot – er wird dann generell abverkauft. Auch gegen Frankreich wird schon mit CDS spekuliert, ebenfalls ein Staat mit nimmersattem öffentlichem Dienst und großem Handelsbilanz-Defizit – obwohl offiziell kein PIG.

Was ist aus der Griechenland-Rettung der EU geworden?

Seit Wochen beschwört die EU die „Solidarität“ des Euro-Raums mit ihrem Mitglied Griechenland. 30 Milliarden. Euro wollte man zunächst geben, aber bislang ist kein Cent geflossen.

Österreich wird „keinen einzigen Euro“ für die Griechenland-Hilfe ausgeben, sollte es kein gemeinsames Vorgehen aller Eurostaaten geben, sagt Wiens Finanzminister Pröll. So dürfte es überall sein. In Deutschland tobt gerade ein wilder Kampf in der Regierung um diesen Bailout. Man formuliert es etwas anders. Aber Griechenland ist ohnehin bereits verloren und die Summen, die heute benötigt würden, sind jenseits von Gut und Böse. Außerdem kämpfen immer mehr Euro-Staaten wie oben beschrieben um das eigene Überleben. Die werden nichts geben können, daher werden alle anderen auch nichts geben.

Am Ende geht jedes Schweinchen alleine in den Staatsbankrott. Auch die neueste „Rettungsaktion“ wird die Markt-Wölfe nur sehr kurz abhalten – wenn überhaupt.

01. Mai 2010

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