15. Mai 2010

Marktkommentar Vom Euro zur D-Mark II?

Gewagte Prognose

Mein letzter Marktkommentar vor zwei Wochen befasste sich mit dem Todeskampf von Griechenland, das damals praktisch schon pleite war. Jetzt, einen Generalstreik und neue Rettungspakete weiter, hat sich nicht viel geändert. Nur dass inzwischen auch Portugal, Spanien und sogar Frankreich von den „Spekulanten“ angegriffen wurden. Seit Anfang Mai verkaufen laut „Handelsblatt“ konservative Investment- und Pensionsfonds in den USA und Asien systematisch jedes Wertpapier ab, auf dem Euro steht. Die große Flucht aus dem Euro ist da. Also hat man kurz darauf ein neues „Rettungspaket“, diesmal für die gesamte Eurozone und wie üblich über ein Wochenende geschnürt: Summe 750 Milliarden Euro. Zugleich hat sich die EZB „geöffnet“ und monetisiert jetzt jedes Mistpapier der Eurozone, auch die griechischen Bankrott-Staatsanleihen.

Vielleicht verschaffte man sich damit eine weitere Woche „Überleben“ für den Euro, sicher ist das nicht. Was man den Märkten mit diesen ständig im Preis explodierenden „Rettungen“ zeigen möchte ist, dass Deutschland für alle Schulden im Euroraum haftet. Angeblich zahlen alle Eurostaaten hier ein, aber nur vier Staaten haben wirklich ihre „Bereitschaft“ dazu bekundet: Deutschland, Frankreich, Österreich, Luxemburg. Selbstverständlich werden dafür nicht in diesen Staaten die Steuern erhöht (nach jetzigem Stand müssten das mindestens 50 Prozent mehr bei allen Steuern sein) oder die Staatsausgaben drastisch gekürzt. Beides würde einen Volksaufstand auslösen. Also nimmt man zusätzliche Kredite auf oder gibt Staatsgarantien für Kredite.

Man muss raus aus dem Euro

Der Euro ist ohnehin verloren, es gibt nur eine Lösung für die Euro-Staaten: eine neue Währung drucken, eine Währungsreform durchführen, den Staatsbankrott erklären, aus dem Euro ausscheiden. Konkret machen das derzeit Deutschland und Frankreich, wobei allein Deutschland mit den Vorbereitungen praktisch fertig ist.

Viele Hinweise, die auf der Deutschland-Seite von hartgeld.com laufend beschrieben werden, deuten darauf hin, dass es heute, am 15. Mai 2010, wenn dieser Artikel erscheint, schon soweit ist: der Ausstieg aus dem Euro mit „Haircut“ = Konfiskation eines großenteils der Ersparnisse dürfte bereits verkündet worden sein und der Umtausch der Euro-Scheine in neue „Deutsche Mark“ Geldscheine bereits anlaufen. Es läuft im Hintergrund eine gigantische, geheime Operation, damit die Sparer überrascht werden und nicht mehr flüchten können. Das ist bei jeder Währungsreform so, denn man will die Sparer-Schafe ja kräftig scheren. Deren Ersparnisse sind real schon lange weg – verkonsumiert in den Schuldnerländern.

Die Rettungsboote haben abgelegt

In den letzten Ausgaben dieses Marktkommentars wurden Gold und Silber die „Rettungsboote“ vor dem Untergang des Finanzsystems (eine Währungsreform ist nur eine kontrollierte Version davon) genannt. Seit zwei Wochen wird speziell in Deutschland alles aufgekauft, was es noch an diesen Rettungsbooten gibt. Es gibt fast nichts mehr. Ein Händler nach dem anderen schließt vorübergehend, da er kein Gold und Silber mehr hat. Deren Server, auf denen die Webshops laufen, kollabieren reihenweise auf Grund von Überlastung. Die Ertrinkenden sind so stark auf der Suche nach „Rettungsbooten“. Diese werden am Weltmarkt außerdem laufend teurer. Tägliche All-Time-Highs, speziell beim Goldpreis, gehören in Euro schon zur Norm.

Denn wenn die Währungsreform verkündet wird, gibt es keinen Ausweg mehr für die riesigen Papier-Scheinvermögen, diese werden einfach gestrichen. Sie waren ohnehin nur auf dem Papier vorhanden. Man teilt den Sparer-Schafen mit, dass ihre Wolle bereits verkauft wurde und dass jetzt die „offizielle Schur“ notwendig ist.

Jetzt gibt es ohnehin keine Rettung mehr, denn wer nicht vorgesorgt hat, dem wurde vermutlich gerade gesagt, dass er die Wolle jetzt abzuliefern hat. Wer nicht hören wollte, muss jetzt fühlen.


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