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Johannes B. Kerner: Ein deutscher Moderator sinniert über Nazis, Holland, Blut und mehr

von Guido Neumann

Der Mann mit dem feinen Gefühl

Kerner kann es offenbar nicht lassen. Wieder einmal meldet er sich ohne Not undeutlich zur deutschen Nazi-Vergangenheit. In der „WAZ“ erklärt er heute zur Vorankündigung seiner neuen Show auf SAT1 mit dem Titel „Deutschland gegen Holland – Das große Duell“ Erstaunliches: Er hege zwar keine Vorurteile gegen Holländer, schätze deren Nettigkeit aber besonders dann, wenn sie ihm in seinem Urlaub „in klarem Deutsch“ antworteten. Das Fußballspiel der Holländer im Besonderen finde er „interessant“, wiewohl er sich eigens noch einmal durch einen Rückblick auf das WM-Endspiel von 1974 vergewissert habe, dass sie dort gegen die Deutschen „trotzdem verloren“ haben.

Die Eigenarten beider Völker reizten ihn, die Holländer in seiner neuen Show an ihre eigene Nationalhymne zu erinnern. Dort heiße es schließlich, dass sie „von deutschem Blut“ seien. Berichtenswerte Gemeinsamkeiten beider Länder gibt es nach Ansicht von Kerner wohl viele. Zu den vielen „Verbindungen“ zwischen beiden Völkern gehöre nicht zuletzt auch das Schicksal der Anne Frank. Wörtlich erklärt der Moderator der „WAZ“, es sei „ein schönes Gefühl, dass so viele junge Menschen kommen, um sich das Haus anzusehen“. In den anderthalb Stunden, während denen er mit seinen Kindern dort auf Einlass gewartet habe, will er „ein total gutes Gefühl“ gehabt haben.

Im Angesicht dieser Gedankengänge des blonden Moderators kann kaum mehr erstaunen, dass er seinerzeit für das ZDF unfähig war, Eva Herman richtig zu verstehen. Zugleich ist im Namen aller friedliebenden Deutschen inständig zu hoffen, dass unsere westlichen Nachbarn zwei Dinge wissen: Außer Kerner will hierzulande niemand ein Duell mit Holländern und je höher der Bildungsstand östlich des Rheins, desto wacher die Erinnerung an den Wahnsinn alles Totalitären.

31. Mai 2010

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