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„Die Welt“ marschiert durch Köln: Auf dem Weg zu einem linken Kampfblatt?

von Guido Neumann

Am Rhein tobt am Samstag mal wieder der Mob

So geht es seit Jahren. Zum Beispiel wenn Christen in Berlin gegen Abtreibung demonstrieren. Oder wenn Thilo Sarrazin in Hildesheim über sein Buch sprechen möchte. Oder jetzt in Köln, wo eine rechte Bürgerbewegung Pro Köln am Samstag gegen linksextremistische Gewalt demonstrieren möchte. Motto der Demonstration: „Keine rechtsfreien Räume für linksextreme Hausbesetzer!“ Stets „begleiten“ solche friedlichen Kundgebungen Hundert oder gar Tausende Linksfaschisten, um ihnen unliebsame Meinungsäußerung in einer Orgie von Gewalt zu ersticken. Linke Medien schieben die Ausschreitungen dann anschließend den Opfern in die Schuhe.

Das ist soweit nicht neu. Bemerkenswert ist in Köln nun allerdings die Berichterstattung der ehemals konservativen Tageszeitung „Die Welt“, von der die Leser Aufklärung statt Propaganda erwartet hätten. Bereits vor den zu befürchtenden Ausschreitungen der linken Szene höhnt das Springer-Blatt in der Tradition ausgereifter Ostberliner Desinformationskampagnen: „Im rechtsrheinischen Stadtgebiet droht am Wochenende das Verkehrschaos. Die Bürgerbewegung Pro Köln hat für diesen Samstag einen Aufmarsch durch Kalk angemeldet. Auch die U-Bahn-Haltestellen Kalk Kapelle und Kalk Post müssen während des Marschs der Ultrarechten am Samstag gesperrt werden. Von dem Pro Köln-Aufmarsch ist allerdings nicht nur der Verkehrsfluss betroffen. So befürchtet die Standortvertretung Kalk, eine Initiative der Geschäftsvertreter, für die Läden an der Kalker Hauptstraße Einbußen von rund 20 Prozent.“ Und: „20 Prozent der Geschäfte machen am Samstag gar nicht erst auf.“

Was für ein Hohn! Warum und wogegen Pro Köln überhaupt demonstriert? Erfährt der Leser der „Welt“ nicht. Lieber lässt das „bürgerliche Blatt“ den Vertreter der Linken im Stadtrat zu Wort kommen: „Wir werden wieder aktiven Widerstand leisten. Pro Köln plant keine normale Demo, sie wollen den Kalker Bürgern und Geschäftsleuten ihren Willen aufzwingen.“ Ah, ja …

Pro-Generalsekretär Markus Wiener erklärt so glaubhaft wie von der „Welt“ verschwiegen: „Für unseren Demozug würden zwei Verkehrspolizisten reichen und in weniger als einer Stunde wäre die Kalker Hauptstraße wieder befahrbar. Nicht ein Geschäft muss auch nur eine Minute wegen uns geschlossen werden. Das haben ausschließlich linke und linksextreme Krawallmacher zu verantworten, die unserer Bürgerbewegung das grundgesetzlich verbriefte Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit rauben wollen.“

Wem da noch nach Lachen zumute ist, darf es jetzt tun: Der „Prawda“ spielende Autor der „Welt“ heißt Rainer Morgenroth.

27. Januar 2012

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