12. Juni 2010

Marktkommentar Die Räumung der Euro-Titanic

Anleihen-Gläubiger und Strumpfsparer Obacht!

Im letzten Marktkommentar vor zwei Wochen mit dem Titel „Die letzten Tage des Euro“ beschrieb ich die Attacken auf den Euro und wie lange er noch leben wird. In den vergangenen zwei Wochen gab es zwei weitere „Todesanfälle“, einen am 1. Juni und einen am 4. Juni 2010. Beide wurden von den Zentralbanken abgefangen. Allein die Schweizer Nationalbank stopfte sich dabei mit ca. 100 Mrd. an „Euro-Devisenreserven“ voll, die sie bald abschreiben kann. In Wirklichkeit ruiniert sie dabei die eigene Währung, den Franken. Trotzdem ist der Euro auf 1,18 gesunken, also unterhalb die von Investmentbankern angegebene „Todesschwelle“ von 1,20, ab welcher der Panikabverkauf beginnen soll.

Allen Beteiligten muss klar sein, dass der Euro nicht lange zu halten ist. In der Zwischenzeit werden neben spanischen auch französische und niederländische sowie österreichische Staatsanleihen abverkauft. Als „letzter Mohikaner“ in der Eurozone steht noch Deutschland, aber vermutlich auch nicht mehr lange, nachdem sich die PIGS-Ansteckung bereits nach Frankreich durchgefressen hat.

In der Zwischenzeit erreichten mich Insider-Informationen aus Banken, wonach der Euro bereits aufgegeben wurde. Man will ihn nur noch so lange halten, bis möglichst viele Eurostaaten mit ihren Ausstiegsvorbereitungen fertig sind. Derzeit ist alleine Deutschland mit der D-Mark 2 zum Ausstieg bereit, Frankreich, Italien, die Niederlande und vermutlich auch Griechenland arbeiten daran. Deutschland wollte bereits am Wochenende vom 15. auf 16. Mai aussteigen, wurde aber mit brutaler Erpressung von Sarkozy und Berlusconi daran gehindert – weil man selbst noch nicht fertig war?

Was erwartet die Aussteiger?

Sie sind dann den Euro endlich los, haben wieder eine nationale Währung, über die sie selbst bestimmen können. Die Sparer erwartet im Falle von Deutschland und Frankreich ein gewaltiger „Haircut“ per Währungsreform, bei dem sie fast alles verlieren. Im Falle von Frankreich haben die dortigen Banken etwa €800 Milliarden in den PIGS-Staaten, besonders im hochverschuldeten Italien stecken, wovon fast alles abgeschrieben werden muss. Im Falle von Deutschland sieht es nicht besser aus, jedoch sind die Pleitekredite, die hinter den Spareinlagen stehen, weltweit breiter verteilt.

Was erwartet die „Bleiber“?

Ein gewaltiger Crash des Rest-Euro innerhalb weniger Stunden nach dem ersten Ausstieg auf vermutlich 20% des heutigen Wertes, geschlossene Banken, keine Importe mehr, Chaos. Rette sich, wer kann. Alle erwartet brutalstes Sparen im Staat, sonst crashen auch die neuen Währungen sofort. Damit kommt die wirkliche Depression. Die ersten Sparbemühungen gibt es ja schon. Egal ob ein Staat im Euro bleibt oder nicht, der Staatsbankrott ist sicher. Die bisherige Verschuldungspolitik ist vorbei.

In die Rettungsboote:

Die oben zitierte Quelle erwartet, dass der Euro bis Ende August 2010 crasht und aufgegeben werden muss. In der Realität kann der Exitus der Euro-Titanic, also das Zerbrechen und Untergehen, jeden Tag kommen. Die Bondmärkte bestimmen darüber, nicht die Politiker. Die Frage ist, wie lange man diese Märkte noch „beruhigen“ kann. Der nächste Anfall kann der endgültige sein.
Egal, wie man es dreht und wendet, man muss mit seinem Geld aus dem Geldsystem raus, am besten in Gold und Silber. In Aussteiger-Staaten wird die Währungsreform alles wegrasieren, in Bleiberstaaten verliert man durch Euro-Crash und Bankenschließungen. Österreich wird bei der Bleiber-Gruppe sein, da die Politik mit dem Drucken eines neuen Schilling zu langsam war.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Walter K. Eichelburg

Über Walter K. Eichelburg

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige