10. Juli 2010

Marktkommentar Die Ruhe vor dem Sturm

Kommt nun das Alptraumfinale für den Euro?

Meine letzten Marktkommentare befassten sich primär mit dem Untergang des Euro. Diesen hat man wie den gesamten Systemuntergang wieder einmal hinausgezögert. Die Frage ist nur, für wie lange?

Es ist wieder Hochsommer und damit Zeit für ein neues Losbrechen der Finanzkrise wie in den letzten Jahren üblich. War es 2007 der Zusammenbruch der US-Subprime-Hypotheken mit dem Untergang der davon abgeleiteten CDOs, so war es 2008 die Bankenkrise, die fast zum Systemkollaps geführt hätte. In beiden Fällen war schon Monate vorher absehbar, was passieren würde. 2009 war ein „relativ ruhiges Jahr“, ermöglicht durch massivste Bailouts und Konjunkturpakete durch die Staaten. Die Wirtschaft brach 2009 ein, aber dieser Einbruch konnte durch die immensen neuen Staatsschulden gestoppt werden. Und der Goldpreis ist im Herbst über $1000 pro Unze gegangen und dort geblieben, was eine Flucht aus den Geldsystemen anzeigt.

2010 wird das Jahr der Staatsbankrotte und Währungsreformen. Das begann im Frühjahr mit der De-facto-Pleite von Griechenland und setzte sich fort mit dem Fast-Kollaps des Euro im Mai. Die Zeichen sind also an der Wand und deutlich zu sehen. Trotzdem wird man uns bis zur letzten Minute anlügen.

Warum nicht diesen Sommer wieder „Krise“?

Es würde gut zur Krisengeschichte passen. Eines ist klar, der Euro wird nicht mehr lange zu halten sein, nachdem er am 7. Mai schon fast am Ende war. Damals war „nur“ die Griechenlandkrise aktiv, und es flogen an diesem Tag plötzlich alle Euro-Staatsanleihen außer denen Deutschlands auf den Markt. Der Grund dafür war wahrscheinlich, dass Deutschland eine Woche später aus dem Euro aussteigen wollte, wofür es vorher und nachher übereinstimmende Insider-Meldungen gab. Also machte man ein „maßgeschneidertes“ Rettungspaket für die Bondmärkte, bei dem Deutschland sichtbar praktisch für alle Euro-Staatsschulden haftet.

Das war für Griechenland, Portugal etc., kleine Fische also. Jetzt taumelt ein „großer Fisch“ – Spanien. Dahinter sind bereits „noch größere Fische“ im Visier der Märkte: Italien und Frankreich. Italien hat das gleiche Problem wie Griechenland mit enormen Staatsschulden, hat aber noch Industrie. Frankreich hat ein gigantisches Budget-Defizit. Beide Staaten sind große Netto-Importeure. Einmal werden sich diese Ungleichgewichte ausgleichen müssen, denn „Rettungspakete“ für Italien oder Frankreich, vermutlich nicht einmal für Spanien, durch Deutschland werden von den Bondmärkten nicht geglaubt werden. Abgesehen von der deutschen Bevölkerung, die Steuererhöhungen von 50 Prozent oder mehr bei allen Steuern sicher nicht tolerieren wird.

Wenn die Täuschung der Märkte nicht mehr funktioniert:

Dann fliegen wieder alle Euro-Staatsanleihen auf den Markt, dieses mal inklusive der deutschen. Dann sind die Banken gleich zu – am 14. Mai waren wir nur wenige Stunden vor der Schließung aller Banken im Euroraum. In den Regierungen rechnet man mit dem Euro-Crash innerhalb von 6 Stunden. Dann muss jeder Euro-Staat eine neue Währung haben, der Euro wird kaum mehr weiter akzeptiert werden. Auch Dollar, Pfund, Yen, etc. werden sich dabei vermutlich „in Rauch auflösen“, nur der Schweizer Franken kann sich vermutlich etwas länger halten.

Und Gold, das Rettungsboot in diesen Zeiten: Es wird in kürzester Zeit „bis zum Mond steigen“. Und nicht mehr erhältlich sein, vermutlich zu keinem Preis. Mit diesem Crash des Geld-Papiers crasht auch die Macht der Staaten, die auf diesem Geld basiert. Chaos wird die Folge sein.

Wenn es passiert, geht es sehr schnell. Nach den Immobilien und Banken sind jetzt die Staaten dran. Bill Buckler nennt es „Third Stage Deflation“. Die dritte und letzte Stufe solcher Krisen, die mit dem Staatsbankrott enden. Der Sturm.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Walter K. Eichelburg

Über Walter K. Eichelburg

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige