02. Oktober 2010

Marktkommentar Die Schlacht um Gold $1300

Die Flucht aus dem Papiergeld hat gerade erst begonnen

In meinem letzten Marktkommentar vor zwei Wochen „Die Gold-Rakete zündet wieder“ berichtete ich vom damaligen $Gold All-Time-High von $1274. Inzwischen hat Gold bereits zweimal kurz $1300/oz erreicht, konnte aber immer wieder etwas runtergedrückt werden. Silber hat inzwischen über $21/oz erreicht – ein 30-Jahres-Hoch.

Wie bei jeder „runden“ Goldpreiszahl in USD gibt es eine Abwehr-Schlacht durch das Goldkartell aus Großbanken und Zentralbanken. Aber jedes mal ging die Schlacht für das Kartell verloren.

Dieses mal scheint der Abwehrkampf des Kartells besonders intensiv zu sein. Vermutlich fürchtet man, dass, sobald der Goldpreis in USD die Marke von $1300 signifikant überschreitet, alle Dämme brechen und die Flucht des Großkapitals in Gold richtig losgeht.

Da wird in Presse und Welt UniCredit-Rohstoffanalyst Jochen Hitzfeld zitiert: "Investoren arbeiten weiter daran, sich Goldbestände zuzulegen". Hitzfeld rechnet bis Jahresende mit einem Goldpreis von 1350 Dollar. Für 2011 sagt er einen Jahresschnitt von 1400 Dollar voraus, für 2012 hält er 1600 Dollar für möglich. "Würde nur ein Prozent der weltweit in Aktien und Anleihen gehaltenen Investitionen in Gold umgelenkt, so entspräche dies bei den aktuellen Preisen einem Volumen von 36.000 Tonnen. Das entspricht den gesamten bisher bekannten Reserven", so Hitzfeld.

Daran sieht man, wie gering die Investments in Gold immer noch sind – im Vergleich zum Papier, hinter dem eigentlich nichts mehr steht, außer der Glaube an seine „Werthaltigkeit“.

Genau das ist es, was das Goldkartell fürchtet: dass signifikante Gelder vom Papier in das Gold (und Silber) gehen. Daher soll ja kein „Preissignal“ entstehen, das eine solche Flucht auslöst. Wer heute etwa US- oder deutsche Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit zu jährlichen Zinsen von etwa 2,5 Prozent kauft, den kann man ruhig als „Bondaffen“ bezeichnen. Allein im letzten Jahr hat Gold in USD um 30 Prozent und in Euro sogar um 40 Prozent zugelegt. Nur Affen lassen sich solche Gewinne mit dem „echten Geld“ Gold und Silber entgehen. Aber vermutlich wird Gold als Investment auf den MBA-Schools, von wo diese „Geldmanager“ herkommen, nicht gelehrt.

Aber einmal werden es auch die „Affen“ verstehen. Dann ist es mit dem Papier-Finanzsystem, das auf dem Glauben in die Werthaltigkeit des Papiers beruht, vorbei. Die „Werthaltigkeit“ griechischer Staatsanleihen haben wir 2010 schon gesehen. Derzeit erleben wir die „Nicht-Werthaltigkeit“ der Staatsanleihen von Irland und Portugal. Diese schmieren derzeit genauso ab, wie die Griechenlands im April 2010. Und sollten Deutschland und Frankreich wirklich für die Anleihen der PIIGS-Staaten im Euro weiter garantieren, werden auch deren Anleihen das gleiche Schicksal erleben, wie die von Griechenland. Dann ist aber niemand mehr für einen Bailout da: „Too big to bail“.

Wenn dieser Artikel erscheint, dann könnte Gold $1300 schon signifikant überschritten sein. Wahrscheinlich kommt irgendwo bei einem Goldpreis zwischen $1300 und $1500 die Panik-Flucht aus allem Papier. Diese kann dann innerhalb von Stunden alles umreißen. Dann sind die Banken zu, der Euro tot, und wer eine neue Währung hat, wird sie mit einer Währungsreform einführen. Die Papier-Vermögen sind dann sichtbar weg, die papier-gläubigen Schafe sind geschoren.

Dann werden wir auch wieder Goldpreise über €1000/oz wie im Mai/Juni 2010 sehen, aber kein Gold mehr bekommen. Die Insider holen sich dann die Rettungsboote direkt aus der Fabrik.


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