11. Dezember 2010

Marktkommentar Zwei Wochen weiter im Euro-Zerfall

Höchste Zeit für einen goldenen Privatrettungsschirm

Der letzte Marktkommentar „Die PIIGS-Dominos fallen“ beschäftigte sich wie viele andere Marktkommentar und auch dieser mit dem langsamen Sterben des politischen Kunstproduktes Euro.

Die „Euro-Rettung“ geht auch jetzt weiter. Wieder einmal war ein Treffen der Euro-Finanzminister, bei dem diese Euro-Hühner wieder einmal aufeinander einhacken konnten. Die Amerikaner machen es viel einfacher und „eleganter“: Sie drucken einfach Geld, um das Staatsdefizit abzudecken. Man nennt es auch „Monetisieren von Staatsanleihen“ oder „Quantitative Easing“ (QE). Derzeit ist Ben „Helicopter“ Bernanke beim Programm QE2. Auch ein weiteres Druckprogramm namens QE3 wurde bereits angekündigt. Man sieht, er wirft die Dollars nicht wie 2002 angekündigt vom Hubschrauber ab, sondern „kauft“ jeden erdenklichen Bankenschrott und jetzt eben die Treasuries, die Staatsanleihen. Das Geld dafür erzeugt er aus dem Nichts. Trotzdem geht die US-Arbeitslosigkeit nicht zurück.

Europa macht es komplizierter

In der von den PIIGS-Pleiten mindestens ebenso betroffenen Eurozone ist alles viel komplizierter. Viele Stimmen wollen unterschiedliche Sachen – wie wenn Hühner gackern.

Da ist einmal Jean-Claude Juncker, der selbsternannte Zampano und „Chef“ der Eurozone. Er möchte „seinen Euro“ und damit seinen „Chefsessel“ unbedingt möglichst lange erhalten. Wohl um bedeutender zu sein, als es seinem Zwergstaat Luxemburg entspricht. Er möchte Euro-Bonds ausgeben, für die alle Eurostaaten gemeinsam haften.

Andere Stimmen sprechen für eine Verdoppelung des 750 Milliarden Euro schweren „Rettungspaketes“ vom Mai 2010. Wieder andere wollen, dass Deutschland für alle Euro-Staatsschulden haftet. In Wirklichkeit geht es nur um Eines: den Bondmarkt vom Abverkauf der Staatsanleihen abzuhalten. Es wird in den Medien schon offen ausgesprochen. Wie lange es noch gelingt, ist fraglich.

Gold ist der „Feind“

Inzwischen steigen die Zinsen aller Staatsanleihen (bei den PIIGS natürlich mehr), aber auch die der US-Treasuries und der deutschen „Bunds“. Der grosse Bondcrash ist also bereits unterwegs. Denn wenn die deutschen und US-Anleihen abverkauft werden, ist alles aus.

Gold macht in USD oder Euro jetzt fast täglich neue All-Time-Highs. Derzeit (7.12.) sind wir bei $1428/oz, €1070/oz angekommen. Silber steigt noch mehr: $30.60/oz, €23/oz. Die Leser meiner Gold-Website www.hartgeld.com freuen sich richtig. Einige berichten, dass sie mit Gold und Silber inzwischen in kurzer Zeit Millionäre geworden sind oder mehr verdienen, als mit ihrem Angestelltengehalt. Das ist kein Wunder, wenn man in der richtigen Assetklasse ist. In den 1990er Jahren waren es High-Tech-Aktien, jetzt sind es Gold und Silber – das frühere und bald wieder zukünftige Geld.

Denn an einem bestimmten Punkt wird es dem Goldkartell nicht mehr gelingen, die Preise für Gold und Silber unter Kontrolle zu halten. Die Preise explodieren dann richtig, und eine Panikflucht aus dem Papier in Edelmetall beginnt. Dann ist die Macht der Banken, Zentralbanken und Regierungen am Ende, denn diese beruht nur am allgemeinen Glauben an die „Werthaltigkeit“ ihrer Euros, Franken, Dollars, Pfunde und dergleichen. Sowie am Glauben in die werthaltige Rückzahlung der dahinterstehenden Staatsanleihen. Wenn wie jetzt alle Staatsanleihen unter Druck kommen, muss man aus dem Papiersystem raus. Man sieht es am Preis für Gold, aber auch für alle anderen Rohstoffe, die massiv steigen. Viel Lebenszeit hat das Papiersystem nicht mehr.


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