05. Februar 2011

2011 Das Jahr der Revolutionen

Auch die Pleite-Europäer wird es treffen

An der Euro-Front ist im Moment alles ruhig, vom üblichen Gegacker der Euro-Politik-Hühner einmal abgesehen. Das wird aber sicher nicht so bleiben. Denn es braut sich in der Welt etwas Gewaltiges zusammen. Eine Welle von Revolutionen und Umstürzen baut sich auf. Vorerst einmal in Nordafrika. Vor einigen Wochen wurde der Diktator in Tunesien gestürzt und musste aus dem Land fliehen. Derzeit spielt sich derselbe Prozess in Ägypten ab. Dann Jemen, Jordanien, Algerien, Saudi-Arabien und so weiter.

Die Ursachen für diese Umstürze sind im arabischen Raum überall die Gleichen: unglaubliche Korruption der herrschenden Kaste, politische Repression, massives Bevölkerungswachstum mit einer hohen Jugendarbeitslosigkeit. Alle diese Ursachen sind alt. Aber das Neue sind die weltweit massiv steigenden Preise für Agrarrohstoffe, und damit der Lebensmittel. Das „tägliche Brot“ wird in diesen armen Ländern für die Massen langsam unerschwinglich. Was wir hier sehen, sind eigentlich Hungerrevolten.

Solche Revolutionen können zwar ein Regime beseitigen, allerdings ändern sie nichts an der grundsätzlichen Misere: zu viele Esser für eine schwache Wirtschaft. Ölstaaten wie Saudi-Arabien können zwar die eigene Bevölkerung mit massiven Subventionen „bestechen“, aber in Staaten wie Tunesien oder Ägypten gibt es praktisch nichts, was Devisen für den Import von Nahrungsmitteln bringt: außer Überweisungen von Landsleuten im Ausland, Tourismus aus Europa oder Hilfen der USA oder EU. Daher sind auch dort die Revolutionen zuerst losgebrochen.

Bekommt Europa auch Revolutionen?

Die Situation ist in Europa zwar sehr unterschiedlich zu Nordafrika, aber die „PIGS“-Staaten im Süden der Eurozone haben ein ähnliches Problem: sie haben fast nichts, was exportierbar ist und müssen ihre Importe über Kredite aus dem Ausland finanzieren.

Sobald es diesen Kredit nicht mehr gibt, werden sie vermutlich auf ein Niveau der Nordafrika-Staaten fallen. Die dann einsetzende drastische Verarmung und die notwendigen Kürzungen in den Staats-Budgets werden ganz sicher zu massiven Aufständen führen. Allerdings wird sich das in schnell wechselnden Regierungen zeigen – üblich in Depressionszeiten.

Nun zur Frage, ob auch wir hier im Norden bei den Nettozahlern Revolutionen zu erwarten haben? Die Antwort lautet: Ja. Allerdings aus einem anderen Grund als bei den PIGS: die Vermögen der Bevölkerung werden verloren gehen, egal ob über Crash, Hyperinflation oder Währungsreformen. Denn diese stecken ja in den PIGS-Staaten oder sind sonstwo verkonsumiert worden.

Der Aufstand der Sparer wird gewaltig sein, wenn sie sehen, dass die Lebensersparnisse weg sind. Und man wird die Wut an den Politikern abreagieren, die die Sparer bis jetzt belügt.

Zum Abschluss eine kleine Anektote:

Als in Tunesien der Diktator Ben Ali flüchten musste, „misslang“ der deutschen Bundeskanzlerin Merkel ein TV-Inteview. Darin stammelte sie nur ganz ängstlich. Das Interview wurde dann abgebrochen und versucht, die Spuren davon in den Medien zu beseitigen.

Man sieht: Die Angst vor einer Revolution kriecht auch unseren Regierenden schon ordentlich in die Knochen. Daher beten sie ihren Euro noch intensiver „gesund“. Gesünder wird er damit aber trotzdem nicht.


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