11. Juni 2011

Marktkommentar EZB – die Pleite-Zentralbank

Faule Papiere im Zersetzungszustand

Jetzt ist die nächste Griechenland-Krise ja wieder im vollen Gang. Der große Euro-Zampano, Jean-Claude Juncker aus Luxemburg, versucht wieder einmal ein großes Griechenland-Rettungspaket zusammenzustellen. Wahrscheinlich mit genauso wenig Erfolg wie bei seinem Griechen-Nachschlag vor einigen Wochen. Jetzt will niemand mehr zahlen, auch nicht der IWF und der Hauptzahler Deutschland. Im IWF ist nach dem Abgang von Strauss-Kahn wieder die „alte Garde“ von Hardlinern an der Macht, die das Geld nicht wie ihr beseitigter früherer Chef so einfach verschenken möchte. In Deutschland kommt es bei den Regierungsfraktionen im Bundestag zu einer immer offeneren Rebellion gegen weitere Zahlungen.

 Die Griechen tun ja auch absolut nichts dafür, die Zahlungsbereitschaft für sie zu fördern. Nicht nur streiken und demonstrieren sie jeden Tag gegen die eigene Regierung und gegen die EU und deren Zahlerstaaten. Sie sparen kaum, privatisieren nichts. Jetzt will die dortige politische Klasse sogar ein Referendum über den Verkauf von Staatseigentum abhalten. So groß ist die Angst vor einem Volksaufstand, wenn die nötigen Massenentlassungen im Staatssektor fällig werden.

 Warum „lebt“ Griechenland eigentlich noch?

 Vor zwei Wochen hieß es in der „Basler Zeitung“: „Um das System zu stützen, hat die EZB sehr viele griechische Staatsanleihen in ihre Bücher aufgenommen. Inzwischen sollen es mehr als 45 Milliarden Euro sein. Dazu kommen noch rund 150 Milliarden Euro an Wertschriften, die die EZB von griechischen Banken als Kollateral akzeptiert hat. Auf diesen Papieren hat die EZB gewaltige Buchverluste eingefahren. Bei einer Restrukturierung der griechischen Schulden müsste sie diese Verluste realisieren und gewaltige Abstriche am Eigenkapital machen. Das will Trichet auf jeden Fall vermeiden.”

 In der Zwischenzeit sitzt die EZB sicher schon auf über 200 Milliarden an absolut faulen Papieren aus griechischen Banken und vom griechischen Staat. Das ganze, beim griechischen Bank Run abfließende Geld wurde inzwischen von der EZB ersetzt – also mehr als 50 Prozent der bisherigen Bankeinlagen. Ähnlich der Mist aus Irland, Portugal, Spanien, der bei der EZB gelandet ist: mit einer noch schlechteren Qualität als Subprime.

 Sobald nur einer dieser realen Pleitestaaten auch offiziell den Staatsbankrott anmelden muss, ist auch die EZB offiziell pleite, real ist sie es heute schon. Im Fall von Griechenland müssten diese Papiere in der EZB auf vermutlich unter 10 Prozent des Nennwertes abgeschrieben werden. Das bei einem Eigenkapital der EZB von nur 10 Milliarden Euro. Eine Mega-Zentralbanken-Pleite. Kein Wunder, dass Trichet nicht als der EZB-Präsident in die Geschichtsbücher eingehen möchte, der die EZB in die Pleite geführt hat. Es wird ihm aber nichts anderes übrigbleiben.

 Was tut man mit der Währung einer Pleite-Zentralbank?

 Richtig, man stößt sie ab, so schnell wie möglich. Kein Wunder, dass der Schweizer Franken fast täglich gegenüber dem Euro neue Höchststände erreicht. Auch Gold müsste täglich neue All-Time-Highs erreichen, denn auch die anderen Währungen sind nicht viel besser als der Euro.

Sobald Panik einsetzt, wird auch die heute noch existierende Goldpreisdrückung zusammenbrechen und eine Flucht aus allem Papier, egal ob Euro, Dollar, Pfund, Yen oder Franken draufsteht, wird dann beginnen. Diese geht in Realgüter, primär aber in Gold, das neue Geld.

 Wann das losgeht, kann nicht gesagt werden, aber vermutlich noch im Sommer 2011. Wahrscheinlich dann, wenn Griechenland endgültig pleite geht. Bei allen derartigen Rettungsversuchen kommt einmal die Flucht aus der Währung – der Bankrott der Währung, die Hyperinflation.


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