17. September 2011

Marktkommentar Die letzten Tage des Euro

PFIIGS-Banken scheren die Sparschafe

Vor einigen Wochen betitelte ich einen Marktkommentar mit „Die letzten Wochen des Euro“. Jetzt ist es soweit, aus Wochen von Rest-Lebendauer sind nur mehr Tage geworden.

Der letzte Marktkommentar hatte den Titel: „Der Crash-Countdown läuft“. Inzwischen ist der Banken-Crash, speziell in Europa angelaufen. US-Geldmarktfonds ziehen massenhaft Geld von Banken aus der Eurozone ab, denn sie fürchten, dass diese Banken wegen der Staatsanleihen im Portfolio aus Pleitestaaten aus dem Südrand der Eurozone untergehen werden. Das sind die Cash-Reserven der US-Firmen, die gerade ein sichereres Ziel suchen, aber die Banken in der Eurozone damit massiv unter Druck setzen. Speziell italienische und französische Banken betrifft es. So wurde etwa bekannt, dass die französische Grossbank BNP Paribas von US-Dollars abgeschnitten ist, obwohl diese Bank auch ein Primary Dealer der Fed ist. Über die andere Großbank Société Générale gab es sogar Pleitegerüchte in den Medien. Wir müssen daher annehmen, dass diese Großbanken nur mehr eine Restlebensdauer von Tagen haben. Auch die italienische Unicredito gehört nach Medienberichten, die bereits seit Wochen kreisen, dazu.

Im Gegensatz zu 2008, als sich die Banken an US-Subprime-Mistpapieren „verschluckt“ hatten, sind es diesesmal Mist-Staatsanleihen aus den Südstaaten des Euro. Außerdem ist mit der jederzeitigen Pleite Griechenlands zu rechnen; die Zinsen auf Staatsanleihen von dort erreichen inzwischen Spitzenwerte von über 200 Prozent. Die Griechen bekommen wegen des eigenen Verhaltens jetzt aber kein Geld mehr von den Zahlerstaaten. Ein Griechen-Default wird diese Problembanken vermutlich gleich umreißen. Vermutlich ist es schon geschehen, wenn dieser Marktkommentar erscheint.

Das Ende des Euro

Wenn auch nur eine dieser schwachen Großbanken kollabiert, reißt sie innerhalb von Stunden gleich alle anderen Banken mit um. Man sieht diese „Sippenhaftung“ auch an den abstürzenden Aktienkursen der Banken in der ganzen westlichen Welt.

Sobald diese Cross-Defaults unter den Banken beginnen und diese schließen müssen, werden überall Währungsreformen erforderlich, bei denen die Sparer ihren „Haircut“ bekommen, also der Großteil der Geldvermögen abgeschrieben wird. Eine neue Währung mit neuen Geldscheinen wird erforderlich. Viele Eurostaaten haben bereits neue, nationale Währungen gedruckt. Eine neue Gemeinschaftswährung „Euro2“ ist dann politisch undenkbar, denn dafür wird es keine Legitimität mehr geben. Vielmehr werden die selben Politiker, die heute noch die Euro-Rettung als „alternativlos“ darstellen, dann alle Schuld auf den Euro schieben, um selbst möglichst heil davonzukommen – wie sie hoffen.

Man kann annehmen, dass es etwa zwei Wochen dauern wird, bis diese neuen Währungen ausgegeben werden können. In der Zwischenzeit bleiben die Banken ganz geschlossen, oder es sind nur Minimalabhebungen möglich. Vermutlich schließen auch die Supermärkte. Alle Leser sollten vorbereitet sein.

Der Haircut

Wenn das passiert, werden auch die Sparer merken, dass ihre Geldvermögen weg sind. Bis jetzt waren sie nicht in der Lage, die überaus deutlichen Alarmzeichen zu erkennen. Vermutlich wird man die Sparerschafe auch dann noch betrügen, indem man einen Teil der Euros, etwa bis €3000 1:1 in die neue Währung umstellt und den Rest auf ein Sperrkonto gibt. Die endgültige Schur erfolgt dann später, indem man die Gelder auf den Sperrkonten verfallen lässt. So hat man es in Österreich zwischen 1945 und 1947 gemacht. Die Wut der Sparer wird enorm sein.

Retten kann sich nur, wer aus dem Geldsystem aussteigt und etwa in Gold und Silber geht. Diese Rettungsboote werden jetzt wirklich gebraucht.


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