01. Oktober 2011

Marktkommentar
Amerika rettet den Euro

Massive Manipulationen halten den Kollaps kurzfristig auf

Der letzte Marktkommentar vor zwei Wochen hatte den Titel „Die letzten Tage des Euro“, und es sah wirklich so aus, als würde es den Euro bald nicht mehr geben. Dann kam die Krise der französischen Großbanken, die im Untergang waren.

Inzwischen hat eine Monsterkampagne zur „Euro-Rettung“ von Seiten der USA eingesetzt, die ganz anders abläuft, als die „Rettungsschirme“ des Euro-Hühnerstalls:

a) Massiver Druck auf alle Beteiligten:

Vor zwei Wochen war US-Finanzminister Geithner in Europa als Gast beim EU-Finanzministertreffen. Was er da vorgefunden hat, hat ihm sichtlich nicht gefallen. Vor allem nicht der fehlende, zentrale Kommandostil, wie es ihn in den USA gibt, der aber im Europa der vielen Nationen nicht möglich ist. Die USA fürchten, dass ein Kollaps des Euro auch die US-Großbanken umbringt, daher ist man an seinem Bestand interessiert – ganz im Gegensatz zur Meinung verschiedener „Konspirationisten“.

Bei der IWF-Konferenz vor einer Woche wurde laut Medienberichten und auch Insider-Infos, Klartext gesprochen: „We will never accept a failure of the Euro“. Es war auch Geithner, der für Obama das Finanzsystem bis zur US-Präsidentenwahl im November 2012 erhalten möchte – ein frommer Politiker-Wunsch. Vor allem dürfen keine wichtigen Bailout-Zahler aus dem Euro aussteigen.

b) Massivste Markt-Manipulationen:

Etwa um den 22. September hat eine Kampagne eingesetzt, um der Öffentlichkeit wieder eine „heile Welt“ vorzuspielen. Dazu gehört etwa, dass die Bankaktien gehoben werden, wie es das US-Plunge Protection Team macht. Seitdem steigen die Aktienkurse wieder.

Gleichzeitig hat man noch mehr auf den Goldpreis eingeschlagen, der innerhalb weniger Tage von (bereits gedrückten) $1800/oz auf $1524 absackte. Offenbar musste dazu Portugal seine Goldreserven hergeben – als Preis für seine Rettung? Auf Druck von Geithner?

Der Systemkollaps kommt trotzdem:

Der Goldpreis steigt inzwischen wieder an, Silber noch mehr. Diverse Spekulanten, speziell die auf Kredit, müssen horrende Verluste mit diesen Metallen eingefahren haben. Aber die Investoren störte es nicht. Deutsche Edelmetall-Händler berichteten von den umstatzstärksten Tagen, die sie bisher erlebt haben – fast nur Käufer, oft mit großen Summen. Das ist ganz konträr zu dem, was man mit der Goldpreisdrückung erreichen wollte und eine Antwort auf den drohenden Bankencrash. Selbst Jean-Claude Trichet sagte öffentlich, dass das Vertrauen in die Banken und viele Staaten verloren gegangen ist. Das Großkapital flüchtet schon aus Banken, die zu viele PIIGS-Staatsanleihen halten. Das ist normalerweise das Ende.

Anstatt dass der Systemkollaps schon jetzt gekommen wäre, kommt er eben einige Wochen, spätestens einige Monate später, denn die reale Situation hat sich nicht geändert. Solange müssen Obama, Geithner, Merkel, Schäuble, Sarkozy, Faymann etc. noch nicht den Mob der betrogenen Sparer fürchten. Um das geht es in Wirklichkeit.

Alle Leser sollten jedenfalls genügend von den Rettungsbooten aus Gold und Silber haben, denn wir wissen nicht, wie lange die da oben ihr System noch aufrechterhalten können. Inzwischen steigt der Preis für die Rettungsboote wieder an. Bald wird er neue Höhen erreichen.


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