10. Dezember 2011

Marktkommentar Eurokrise: Nur mehr Gelddrucken bleibt

Retten bis die Augen bluten

Mit jedem Marktkommentar im zweiwöchigen Abstand sind immer schlimmere Dinge aus der Eurozone zu berichten. Die „rettenden Politiker“ gleichen immer mehr kopflosen Hühnern. Nachdem inzwischen auch schon die Staatsanleihen von AAA-Kernstaaten wie Frankreich oder Österreich abverkauft werden, bleibt nur mehr Deutschland als Rettungsanker, hat aber auch schon manchmal Probleme, seine Bonds loszuwerden.

 Alle „Rettungsschirme“ sind inzwischen gescheitert. Man bastelt inzwischen an einer Fiskalunion mit starkem Durchgriffsrecht durch Deutschland auf die Budgets besonders der Sünderstaaten. Das würde aber neue EU-Verträge bedeuten, ein Prozess, der mindestens zwei Jahre dauert und keine Chance auf Erfolg hat. Damit will man die Bondmärkte noch belügen, die inzwischen alles abverkaufen, wo Euro draufsteht. Der Euro wird nur mehr durch massivste Marktmanipulation und Aktivitäten jenseits der Grenze zur Strafbarkeit am Leben erhalten. Bald wird das auch durchreissen, dann kommt der Systemcrash.

Warum MF Global sterben musste

So heisst es etwa in US-Insiderkreisen über die Massnahmen der US-Regierung zur Rettung des Euro: „Sie werden Geld drucken, verstaatlichen und retten, bis ihnen die Augen bluten”.

 Denn ein Crash des Euro würde das Weltfinanzsystem umbringen und damit auch die USA sowie die Wiederwahl-Chancen von Barack Obama.

 Laut Jim Willie wurde gerade eine Kostprobe davon abgeliefert: die Pleite des US-Commodity Brokers MF Global war eine gezielte Aktion des Goldkartells, um einen COMEX-Default bei Silber und damit einen Kollaps der Eurozone noch einmal abzuwenden.

 Man hat MF Global bewusst sterben lassen und die Kunden betrogen, um eine Auslieferung der Kundenkontrakte zu verhindern. Dies wäre nicht mehr möglich gewesen. Natürlich ging keiner der Verantwortlichen ins Gefängnis oder wurde verhört. Ganz klar eine Operation in „höherem Auftrag“.

 Jetzt im Dezember zeigt sich, dass die Anträge auf Auslieferung von Gold enorm sind. Wird das den Italienern abgenommene Gold dafür reichen, oder muss man wieder eine solche Aktion machen? Oft geht das nicht, denn dann bricht die absolute Panik aus. Das war eine Aktion, wie man sie meist nur einmal machen kann – in totaler Verzweiflung.

Euros drucken, solange das Gold zur Preisdrückung reicht:

Inzwischen kam der Befehl aus den USA, unlimitiert Euros zu drucken und damit die Pleitestaaten und Pleitebanken in Europa zu retten. Diesem Befehl wurde inzwischen Nachdruck verholfen, indem die Ratingagentur S&P allen Eurostaaten mit einer Herabstufung gedroht hat. Die Amerikaner und Briten drucken auch Dollars oder Pfunde, wie es notwendig ist.

 Nur, in Europa sperrt sich Deutschland gegen unlimitiertes Gelddrucken. Die Hyperinflation der 1920er Jahre lässt grüssen. Es wird sich zeigen, wie viele Wochen oder Monate man damit das Finanzsystem noch am Leben erhalten kann. Vermutlich nur mehr solange, wie man den Goldpreis unten halten kann. Inzwischen kaufen Grossinvestoren direkt von den Goldminen ein, weil sie grössere Mengen an Gold nicht mehr aus dem System bekommen.


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