21. Februar 2012

Bastiat und die Eurokrise Ein Franzose für Griechenland, ein Franzose für Europa

Die Griechen und das zerbrochene Fenster

Sarkozy und Lagarde sind heutzutage neben Merkel und Monti am Steuer Europas. Doch das Ergebnis sieht sehr ernüchternd aus. Griechenland steckt in der Reformunwilligkeit fest und nicht nur dort, sondern in ganz Europa schwanken weiter die Regierungen. Auch wenn man zugeben muss, dass sich Italien unter dem neuen Präsidenten souverän geschlagen hat.

Vorletzte Woche vermochte man zu hören, dass Griechenland vielleicht doch fallengelassen wird. Dies jedoch nicht so ganz freiwillig. Vielmehr scheint es so zu sein, dass man einfach keine Kraft mehr hat, weiterzumachen. Weiterzumachen mit nächtelangen Verhandlungen. Weiterzumachen mit Ernüchterungen. Und weiterzumachen mit Predigten von Sparsamkeit und Wachstum.

Die Lösung aus der Finanzkrise Europas ist insofern nicht leicht, als nicht nur Share- (beziehungsweise Bond-) Holder, sondern alle Stakeholder beachtet werden müssen. So gibt es nicht nur große Investmentfonds, Versicherungen und Banken, die durch eine Insolvenz eines Staates gefährdet werden, sondern auch Arbeiter und Unternehmen, denen das Leben durch Steuererhöhungen nicht leicht gemacht wird. Und nicht zuletzt gibt es auch Politiker, die in ihrem Amt verweilen wollen und auf die Gunst der Wähler angewiesen sind.

Zudem wird oft auch gesagt: Wenn Griechenland falle, dann würde ein Schwarzes Loch entstehen, das Portugal, Spanien, vielleicht Italien und möglicherweise auch Frankreich in sich saugen könne.

Um eine weise Antwort zu finden, hat es sich schon oft bewährt, nicht nur bis zum letzten Quartal, sondern auch in die letzten hundert Jahre zu schauen. Ein Franzose namens Frédéric Bastiat (1801-1850) könnte eine solche geben. In seiner humorvollen Parabel vom zerstörten Fenster beschädigt der Sohn des Protagonisten eine Glasscheibe, woraufhin dieser sechs Franc bezahlen muss und entsprechend wütend ist. Doch der Sohn wird schließlich damit vertröstet, dass der Glaser von etwas leben müsse. Bastiat stimmt dem zu, sagt aber, dass die Familie sich von dem Geld Schuhe kaufen könne und so der Schuhmacher seinen Lebensunterhalt hätte bestreiten können. Das ist der Effekt, der nicht so sichtbar ist.

Und genauso verhält es sich in der Eurozone. Es stimmt, dass andere Krisenländer nach der Pleite Griechenlands in Probleme geraten könnten, obschon die Anleihemärkte den griechischen Bankrott schon lange als vollendete Tatsache sehen.

Man muss aber auch erkennen, dass Steuergelder, welche nach Griechenland fließen, womöglich für Importe aus den anderen Ländern ausgegeben werden könnten (zum Beispiel mittels nachhaltiger Steuersenkungen). Dadurch würde die deutsche Waren- und Dienstleistungsnachfrage die spanische Wirtschaft stützen. Inklusive positiver Arbeitsmarkteffekte, genauso wie kleiner und großer Freuden für Konsumenten und Investoren.

Man muss sich nicht vor einer Insolvenzerklärung fürchten. Versagt hat man so oder so. Statt bemüht zu sein, nur das eigene Gesicht zu wahren, sollte man lieber fragen, was wie und zu welchen Kosten getan werden muss, um den maximalen Nutzen zu erhalten. Nicht europäische Harmonisierung à la Transferunion ist effektiv, sondern europäische Harmonie in gemeinsamem und verantwortungsvollem Wirtschaften.


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Alexander Czombera

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