21. März 2012

Konservativ-libertärer Bolschewismus Transen und Bischöfe

Mit falschen Titten

In den letzten Jahren konnte ich immer öfter beobachten, dass sich Linksliberale einem schwerwiegenden, ja tragischen Eingriff unterzogen und das politische Geschlecht wechselten: Flocken von politischen Transen durchziehen seither den deutschen Wald. Aus jedem Gleichstellungsbüro dampfen einem die Konservativen entgegen, mit falschen Titten und erfundenen Ansichten, tausendprozentig christlich, militant leitkulturorientiert, auf die Ordnung aus und von sich selbst und der Sendung der kollektiven Geltung des eigenen Allerwertesten so überzeugt wie nur irgendein empörter Sozi.

In einer solchen Transenkultur gehört das Misstrauen gegen alle und sich selbst zum Handwerkszeug; viele bringen aus der großen kommunistischen Tradition der elegant begründeten Selbstvernichtung dazu gute Voraussetzungen mit. Als alter Bolschewik habe ich mich trotzdem bis heute geweigert, mir konservative Titten aufpappen zu lassen, und nach wie vor verfüge ich über kein christliches Fundament, auf dem ich spazierengehen könnte. Das rote Gift dringt mir aus allen Poren; das Herz schlägt mir höher, wenn ich Bilder mordlustiger kommunistischer Funktionäre aus den 30er-Jahren sehe, und angesichts der Unterdrückung des konservativen Geschwätzes in der DDR bekomme ich ganz feuchte Augen. Ich kann nun einmal nichts dafür, ich bin ein Roter und sterbe als Roter, nur der Verstand hat mich zum Unternehmer gemacht und er leitet mich jeden Tag immer wieder neu dazu an, ein bisschen ernster über Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft nachzudenken und eigenverantwortlich zu leben. Ehrfurchtsvoll lese ich die kultivierte Prosa von Böhm-Bawerk.

Konservativ müsste man sein! In den letzten Tagen haben sich umoperierte Linke zum Beispiel für Margaret Thatcher begeistert. Diese tolle, konservative Frau! Nur weil sie eine recht anständige Wirtschaftspolitik betrieben und der gemeinwohlschädigenden britischen Gewerkschaftsbewegung eins auf den Hintern gegeben hat; aber auch diese Titten ziehe ich mir nicht an. Nicht allein, weil ich ein alter Bolschewik bin, sondern auch, weil ich ein Gehirn habe. Diese Frau hat Geschichte geschrieben als die erste liberale bürgerliche Politikerin von Weltgeltung, aber sie war ein sehr beschränkter Mensch und entwickelte in ihrer Jugend Softeis, war vollkommen ungebildet und verbreitete einen unguten kulturpolitischen Mief (der dem Mief der heutigen Zeit in seiner „Fortschrittlichkeit“ auf gespenstische Weise ähnlich ist). Der Kniestrumpf-Drachen interessierte sich auch noch ernsthaft dafür, einzelnen Menschen zu schaden, die ihr Mann ihr gegenüber als nett hervorgehoben hatte. Grausig. Wer so etwas toll findet, ist ein echter Demokrat von Weltgeltung.

Sicher, der Verstand sagt einem etwas anderes. Vor einigen Jahren wurde meine Tochter mit einer unheilbaren, widerlichen Krankheit, die einen frühen Tod bewirkt, diagnostiziert. Der Sozialstaat und die Gesundheitskräfte hatten keine Antworten auf die Lage, einen Himmelherrgott gab es nicht und meine Frau wäre daran fast zugrundegegangen. Ich hörte von den feministischen Psychologinnen, dass ich gefälligst die Schnauze zu halten und Geld ranzuschaffen hätte. Da rief ich einen als konservativ verschrienen österreichischen Bischof an; der gute Mann half uns ein wenig über die schwere Zeit hinweg. Als es bei der nächsten Schwangerschaft aus dem Freundeskreis hieß, treib doch sofort ab, dachte ich, ein wenig Konservatismus könnte nicht schaden.


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Fritz Gstättner

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