15. August 2012

Feminismus Inflation im Gleichstellungsbüro

Neue Abenteuer mit älteren Frauen

Volkswirtschaft kann und muss Spaß machen, auch in einem Milieu, das in einer Volkswirtschaft eine negative Rolle spielt. Das Maß aller Dinge ist die Freude, daran kann es gar keinen Zweifel geben.

Ich, der ich nicht auf ältere Frauen stehe, weil sie so selbstbewusst und faltig oder speckig sind, und weil sie von Bestsellerautoren als „sexy“ beschimpft werden, habe neulich eine Reihe von Abenteuern mit älteren Frauen erlebt.

Als Schreiber, der sein Geld mit Texterstellungen verdient, die unmögliche Inhalte in einer überzeugenden Weise vermitteln sollen, und die immer wieder einen bestimmten Ton der frei ausschreitenden Lüge treffen sollen (ich bin Spezialist für Demokratie, Feminismus und Wirtschaftspolitik), bin ich neulich von einer Dame kontaktiert worden, die „von einer Freundin“ von meinen „Dienstleistungen“ erfahren haben wollte. Da kam es mir schon komisch vor, denn ein Sexdienstleister bin ich eigentlich nicht. Nach einigen Minuten erkannte ich dann die Dame wieder; sie war tatsächlich eine Jugendsünde gewesen, ich hatte ihr vor fast einem Jahrzehnt einmal eine Diplomarbeit geschrieben, die mit Volkswirtschaft nichts zu tun gehabt hatte.

Jetzt war sie eine bekannte Frau, emsig, speckig und traurig: Sie war dorthin gegangen, wohin der Wind sie getragen hatte, und besaß (!) jetzt ein Gleichstellungsbüro mitten in Berlin, an der Biegung des Flusses. Ich sah keinen Anlass, sie zu küssen und fragte sie, was sie denn für einen Auftrag für mich hätte. Wir trafen uns in einem Café; ich trug meinen Trachtenjanker und führte mich freundlich, aber doch ein wenig konservativ, ja „provokant“ auf. Sie trug mir an, einen Aufsatz über Inflation zu schreiben. In diesem Aufsatz sollte nachgewiesen werden, dass Inflation vor allem Frauen trifft, weil Frauen durch Inflation von Männern enteignet werden.

Enteignung, das muss Ihnen doch liegen, Sie sind doch ein Rechter, sorgte sich die Dame mit schlangenhafter Falschheit um mich. Ich entgegnete, dass ich ein Profi sei und verfasste einen Aufsatz, der die folgende Schlusspassage enthielt:

„Inflation, das ist Enteignung. Kalte Enteignung, und sie ist auch eine männliche Enteignung. Ersparnisse, Altersvorsorge und Renten von Frauen, die in Deutschland viel weniger Immobilien und Gold besitzen als Männer, werden zuerst betroffen sein von der männlichen Entwertung des Geldes.“

Es war mein besonderer handwerklicher Ehrgeiz, mit diesem Satz absolut nichts zu sagen. Es gelang mir. Lachend trank ich bei der Hitze einige Bier.

Ich habe dieser Dame dann noch ein Coaching verpasst; wir saßen auf meiner Besetzungscouch vor der großen Bildwand und ich riet ihr, in einer öffentlichen Diskussion zu volkswirtschaftlichen Fragen auf keinen Fall zuzugeben, dass sie Germanistik studiert habe. Lieber gar nichts sagen, riet ich ihr, oder behaupten, ihre Eltern seien Russen oder Alkoholiker gewesen und sie habe im zweiten Bildungsweg eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht.

Wir trennten uns im Guten. Ich wertete dann noch ein Video von einer Diskussion aus und schickte ihr eine Manöverkritik. Meine Hand ist nicht verdorrt, und ich kaufte meiner Frau von dem Honorar ein sauteures Kleid von René Lezard, einer deutschen Modefirma ohne große politische Allüren.


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Fritz Gstättner

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