13. Februar 2017

Nachruf auf Udo Ulfkotte und Susanne Kablitz Nur ihre Körper haben uns verlassen

Ihr Bewusstsein und ihre Ideen leben weiter

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Bildquelle: eigentümlich frei Susanne Kablitz: Mit Carlos A. Gebauer und Manuel Peters in der Villa Rheinperle

An den 29. September 2014 erinnere ich mich, als sei es gestern gewesen: Damals wurden Susanne Kablitz (damals Vorsitzende der kleinen libertären Partei der Vernunft) und ich (damals Vorsitzender der noch kleineren libertären Freiheitspartei) von eigentümlich frei in der Villa Rheinperle in Duisburg interviewt. Dieses von Carlos Gebauer moderierte Gespräch wurde auf Video aufgezeichnet.

Obwohl wir zwei zwar recht ähnliche, aber doch konkurrierende Parteien vertraten, verlief unser Gespräch harmonisch und wir verstanden uns ausgezeichnet. Ich gewann einen guten Eindruck von Susanne Kablitz, und es wurde sogar eine Zusammenarbeit unserer beiden Parteien besprochen, was angesichts gewisser vorhergehender Spannungen geradezu sensationell schien.

Zu dieser Zusammenarbeit kam es allerdings nicht mehr, da Frau Kablitz wenige Wochen später und noch vor der Veröffentlichung des besagten Videos von ihrem Amt als Parteivorsitzende zurücktrat und auch ihre Partei verließ. Etwa ein halbes Jahr später tat ich dasselbe, wobei ich im Gegensatz zu Susanne Kablitz nicht nur von meiner Partei, sondern darüber hinaus auch vom Liberalismus insgesamt Abstand nahm.

An diesem Tag im September 2014 fand jedenfalls eine Doppelaufnahme statt: Direkt nach uns wurden zwei viel bekanntere Persönlichkeiten interviewt, nämlich Eva Herman und Udo Ulfkotte. Ich hatte bei diesem Anlass die Gelegenheit, ausführlich mit beiden zu sprechen, und lernte sie wie auch Frau Kablitz als spannende und aufrichtige Persönlichkeiten kennen, die mit vollem Einsatz für ihre Überzeugungen eintraten.

Udo Ulfkotte ist im Januar 2017 im Alter von nur 56 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Entmenschtes linkes Pack jubelte im Internet über seinen Tod.

Gestern erfuhr ich nun, dass auch Susanne Kablitz tot ist: Sie hat sich am vergangenen Samstag das Leben genommen. Sie wurde nur 47 Jahre alt.

An jenem Tag vor nicht einmal zweieinhalb Jahren wurden vier Menschen interviewt. Zwei davon sind jetzt nicht mehr da. Das macht traurig und betroffen und führt vor Augen, wie flüchtig und vergänglich das irdische Leben doch ist.

„Denn was ist schon unser Leben? Es erscheint doch wie ein kleiner Hauch, wie Dampf, der ganz kurz sichtbar ist und dann verschwindet“ – an diese Aussage aus dem Jakobusbrief im Neuen Testament werde ich, der vor mehr als sechs Jahren vom Christentum abfiel, erinnert.

Auch Udo Ulfkotte und Susanne Kablitz waren ein solcher Hauch und sind verschwunden: Hier auf dieser Erde sind sie nicht mehr da und werden auch nie mehr wiederkommen. Deswegen möchte ich den Angehörigen und Freunden von Udo Ulfkotte und Susanne Kablitz mein tief empfundenes Beileid aussprechen.

Ich möchte die Leser dieses kleinen Nachrufes jedoch an dieser Stelle einladen, die Sichtweise kennenzulernen, die mir persönlich in der Konfrontation mit dem Tod Trost spendet und die ich mit den östlichen Weisheitslehren und auch mit den mystischen Traditionen der monotheistischen Religionen teile. Diese Sicht besagt im Kern, dass nicht die Materie das Bewusstsein hervorbringt, sondern umgekehrt das Bewusstsein die Materie um sich herum konstruiert.

Die materielle Welt, in der wir unser alltägliches Leben bestreiten, ist aus dieser Sicht nur ein Schatten der wahren und eigentlichen geistigen Wirklichkeit, die aus dem reinen Bewusstsein und der vollkommenen, in sich selbst unveränderlich abgeschlossenen Ideenwelt besteht und in der alles, was sich in der Materie manifestiert, in Unvergänglichkeit existiert und schon immer existierte. Diese eigentliche Wirklichkeit ist zeitlos und unvergänglich, sie ist das absolute Sein, das der Mensch im Kreislauf der Materie vergeblich sucht. Mit dem Tod stirbt nur der materielle Körper, wohingegen das Bewusstsein und die Ideen, die ein Mensch in seinem irdischen Dasein manifestiert, ewig und bleibend sind, weil sie nie geboren wurden und daher auch nicht sterben können.

Es bleibt jedem Leser selbst überlassen, ob er mit dieser Sichtweise etwas anfangen kann. Ich selbst will meine Überzeugung nicht verhehlen, dass nur der Körper des Udo Ulfkotte und der Susanne Kablitz uns verlassen haben. Ihr ewiges Bewusstsein aber und die ewigen Ideen, die sich in ihnen und in ihrem Leben verkörperten, sind da, wo sie schon immer waren und wo auch wir uns schon vor unserer Geburt befanden: in dem unzerstörbaren und wundervollen Licht des ewigen Seins, das ein Christ den Himmel, ein Hindu das Brahman und ein Buddhist das Nirvana nennt. Dort ist keine Veränderung und kein Schatten eines Wechsels, sondern nur der ewige selige Friede des reinen Bewusstseins und der vollendeten, in sich ruhenden Ideenwelt, zu der Udo Ulfkotte, Susanne Kablitz und auch wir alle eines Tages eingehen werden.


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Dossier: Susanne Kablitz (1970-2017)

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